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Gedenkveranstaltung zum Internationalen Holocaust-Gedenktag

28.01.2020

Der Zentralrat und das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma gedachten anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktags gemeinsam mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas der Verfolgten und Ermordeten. Die Veranstaltung fand am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas statt.

Es sprachen die Überlebende des Holocaust Rita Prigmore, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Petra Pau, der Staatsminister für Europa, Michael Roth, und Petra Rosenberg für den Landesverband Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg.

Rita Prigmore betonte die Bedeutung des Gedenkens an die Opfer für unsere heutige Gesellschaft: „Ich bin davon überzeugt, dass es wirklich wichtig ist, über die Geschichte unseres Volkes der Sinti und Roma zu sprechen. Wir dürfen nie aufhören, an das Leiden der unzähligen Opfer zu erinnern. Ohne die Erinnerung können wir das Böse nicht überwinden und keine Lehren für die Zukunft daraus ziehen.“ Gleichzeitig rief sie auf zu einer solidarischen Gesellschaft: „Bauen wir gemeinsam ein Europa und in der ganzen Welt eine Gesellschaft auf, in der Sinti und Roma und alle anderen Minderheiten nicht länger diskriminiert werden. Schweigen wir nicht, wenn wir Zeugen eines Unrechts werden! Erheben wir unsere Stimme gegen die Gleichgültigkeit! Hassen wir nicht diejenigen, die uns fremd vorkommen. Gehen wir aufeinander zu und überwinden unsere Vorurteile!“

Herr Staatsminister Roth brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass der Völkermord an den Sinti und Roma in Zukunft stärker im öffentlichen Bewusstsein verankert ist: "Leider ist in der breiten deutschen Öffentlichkeit immer noch viel zu wenig bekannt über die Verfolgung der Sinti und Roma in der NS-Zeit. Noch immer ist es der "vergessene Holocaust". Den wenigsten ist bewusst, dass Sinti und Roma frühe Opfer des NS-Rassenwahns wurden, dass sie in sog. "Zigeunerlager" deportiert und rund 500.000 Männer, Frauen und Kinder ermordet wurden. Als Auswärtiges Amt unterstützen wir zahlreiche Projekte, die mithelfen, dass sich dies ändert."

Nach den Reden gab es eine Schweigeminute zur Kranzniederlegung.

Hintergrund zu Rita Prigmore
Unmittelbar nach ihrer Geburt im Jahr 1943 begann der Direktor des Würzburger Universitätsnervenklinikums Werner Heyde, an den Zwillingen Rita und Rolanda grausame „Zwillingsexperimente“ durchzuführen. Ihre Schwester verstarb nach kurzer Zeit, als die Mediziner versuchten, ihre Augenfarbe mit Tinte zu verändern. Rita blieb ein Jahr lang den menschenverachtenden Experimenten des Regimes ausgeliefert. Noch heute leidet sie deshalb unter den Folgen dieser medizinischen Experimente. Erst nach Kriegsende und erst nach der Emigration in die USA, konnte Rita Prigmore rekonstruieren, was mit ihr geschehen war. Ihre Erlebnisse, sowie die ihrer Mutter sind im Holocaust Memorial in Washington archiviert. Mit Unterstützung der Gemeinschaft Sant ‘Egidio hält sie in ganz Europa Vorträge über die nationalsozialistische Verfolgung der Sinti und Roma. 

Weitere Veranstaltungen
Im Rahmen des Gedenktags fand zudem am Sonntag, den 26. Januar, um 10 Uhr ein Gedenkgottesdienst im Berliner Dom mit dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, dem Landesrat der Sinti und Roma Berlin/Brandenburg und der Evangelischen Akademie Berlin statt. 
Am gleichen Abend um 18 Uhr führten unter der Leitung des Dirigenten Riccardo M Sahiti die Roma und Sinti Philharmoniker und das Synagogal Ensemble Berlin das von Roger Moreno-Rathgeb komponierte "Requiem für Auschwitz" auf (zur Pressemitteilung: Requiem für Auschwitz – Konzert)
Gedenken am Mahnmal

Quelle: Zentralrat Deutscher Sinti und Roma

Rede des Staatsministers für Europa Michael Roth; Foto: Minderheitensekretariat
Kranzniederlegung; Foto: Minderheitensekretariat
Rede von Petra Rosenberg vom Landesverband Deutscher Sinti und Roma Berlin/Brandenburg e.V.; Foto: Minderheitensekretariat
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