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Menschenrechte auf Platt - Plattdüütskbüro zeigt: Die Sprache funktioniert immer

09.05.2022

Als der Verein „Aurich zeigt Gesicht“ im Plattdüütskbüro der Ostfriesischen Landschaft anfragte, ob man für die Ausstellung „Pictures for the human rights“ die Menschenrechtsartikel ins ostfriesische Platt übersetzen könnte, war gleich klar: „Geiht nich – gifft `t nich! Dat maken wi.“ (Hochdeutsch: „Geht nicht – gibt es nicht! Das machen wir.“) Schließlich möchten die Mitarbeiterinnen des Plattdüütskbüros mit der Übersetzung möglichst vieler verschiedener Texte ins Plattdeutsche zeigen, dass die Sprache - wie alle anderen Sprachen auch - immer funktioniert. Das dem so ist, wurde mitunter in den Übersetzungen der Ausstellungstexte für das Energie-, Bildungs- und Erlebniszentrum Aurich (EEZ) deutlich. Darüber hinaus stimmte das Team des Plattdüütskbüros der Übersetzung der Menschenrechte gleich zu, weil kontinuierlich daran gearbeitet wird, den Ostfriesen bewusst zu machen, dass sie ein Recht darauf haben, ihre Regionalsprache zu sprechen, zu lernen, zu leben. „Mit diversen Projekten und Imagekampagnen konnte in den letzten 30 Jahren viel erreicht werden“, sagt Grietje Kammler, Leiterin des Plattdüütskbüros. „Wurde es noch vor wenigen Jahren als Makel empfunden, mit Plattdeutsch aufzuwachsen, möchten die Menschen heute wieder Platt lernen oder bemühen sich, dass ihre Kinder wieder zweisprachig aufwachsen.“ Gesetzliche Basis dafür ist die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen, die 1999 in Deutschland in Kraft getreten ist.

Die Übersetzung der Menschenrechte gestaltete sich in der Praxis dann doch teilweise als „stuur“ (Hochdeutsch: „schwer“, „mühsam“).  „Menschenrechte sind ein wichtiges Thema, auch als geschriebener Text“, so Ilse Gerdes, Mitarbeiterin im Plattdüütskbüro. „Insbesondere für politische und wissenschaftliche Texte ist eine wörtliche Übersetzung nicht möglich, da es viele Wörter nicht gibt oder man den hochdeutschen Text auf Platt einfach anders formulieren muss. Die Kernaussage des Textes sollte aber wiedergegeben werden.“ 

So wurde zum Beispiel aus Artikel 26

„Bildung muss die Achtung vor den Menschenrechten stärken und zu Verständnis, Toleranz und Freundschaft zwischen den Nationen und unter den Menschen beitragen“

im ostfriesischen Platt

„Bildung sall dat Ansehn van de Minskenrechten vöranbrengen un to mehr Insicht, Respekt un Fründskupp tüsken de Nationen un unner de Minsken bidragen.“

Umso mehr freut sich das Plattdüütskbüro, dass die Texte up Platt nicht bloß in den Innenstädten von Aurich, Norden und Wiesmoor ausgestellt werden. „Aurich zeigt Gesicht“ hat alle Menschenrechtsartikel in plattdeutscher Sprache in Kombination mit den dazugehörigen Kunstwerken als Postkarten drucken lassen. Finanziert wurde der Druck durch den ostfriesischen Förderverein für Plattdeutsch, Oostfreeske Taal i. V. „De hele Vörstand van uns Vereen weer glieks van de Idee övertüügt, Plattdüütsk un Minskenrechten up disse Padd bekannt to maken“ (Hochdeutsch: „Der ganze Vorstand von unserem Verein war gleich von der Idee überzeugt, Plattdeutsch und Menschenrechte auf diesem Weg bekannt zu machen“), so Hans Freese, erster Vorsitzender des Vereins. Wer Interesse an den Postkarten hat, kann diese unter info@aurichzeigtgesicht.de ordern.

(Quelle: Pressemitteilung Ostfriesische Landschaft, 09.05.2022)

Titelbild: Landschaftsrat Hilko Gerdes (stellvertretender Landschaftspräsident der Ostfriesischen Landschaft), Jörg Köhler (Vorsitzender „Aurich zeigt Gesicht“), Hans Freese (erster Vorsitzender von Oostfreeske Taal i. V.), Grietje Kammler, Leiterin des Plattdüütskbüros, und Landschaftsdirektor Dr. Matthias Stenger präsentieren die Menschenrecht up Platt. (Quelle: Ostfriesische Landschaft)

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