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Saterfriesischer Beitrag zur bevorstehenden Konferenz “Small languages, big ideas”

23.06.2022

Am 30.6 und 1.7. findet in Oldenburg die sprachwissenschaftliche Konferenz “Small languages, big ideas: The smaller Germanic languages from a theoretical, general and comparative perspective” statt. Es ist eine gemeinsame Veranstaltung der Universitäten Oldenburg und Groningen. Die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg hat innerhalb seines Instituts für Germanistik den Schwerpunkt Niederdeutsch und Saterfriesisch eingerichtet und widmet sich in Forschung und Lehre sowohl der Regionalsprache Niederdeutsch als auch der letzten noch lebendigen Varietät des Altostfriesischen, dem Saterfriesischen/Seeltersk.

Anmeldungen zu der kostenfreien Veranstaltung werden über das Webseitenformular noch angenommen, das breitgefächerte Programm ist ebenfalls online zugänglich: https://uol.de/slbi2022

So wird sich die Konferenz “Small languages, big ideas” auch dem Saterfriesischen widmen und Sprachwissenschaftler aus aller Welt stellen dort Einsichten vor, die sie aus der Forschung nach kleinen Sprachen gewonnen haben. Dr. Eric Hoekstra, Bouke Slofstra und Henk Wolf präsentieren gemeinsam Daten aus dem Saterfriesischen. Diese Daten bilden einen weiteren Beweis dafür, dass Menschen sich Veränderung anders vorstellen als Unveränderlichkeit – und dies auch sprachlich zum Ausdruck bringen. Dass sich in Tausenden Sprachen der Welt unterschiedlichste sprachliche Formen dafür eignen, lehrt uns etwas über das menschliche Gehirn.

Auch im Deutschen ist der Unterschied zwischen Veränderung/Unveränderlichkeit relevant für die richtige Verwendung der Grammatik: wer seinen Standort ändert, kann “in die Schweiz” verreisen – mit Akkusativ, aber wer unveränderlich in Zürich sitzt, ist “in der Schweiz” – mit Dativ. Oder im Englischen: wer unveränderlich auf dem Dach sitzt, sitzt “on the roof”, aber wer seinen Sitzplatz dahin verlegt, geht “onto the roof”. Wer im Russischen unveränderlich im Auto fuhr, der “jechal”, aber wer das Autofahren beendet und sich einer anderen Aktivität gewidmet hat, der “pojechal”.

Im Saterfriesischen haben Wörtchen für auf/in/an/durch und so weiter oftmals zwei Formen, die diesen Unterschied zwischen Veränderung und Unveränderlichkeit ebenfalls zum Ausdruck bringen. Der Saterfriese sagt zum Beispiel “Iek bän appe” (ich bin auf(gestanden)), aber “ju Sunne gungt ap” (die Sonne geht auf) – das verlängerte “appe” drückt Unveränderlichkeit aus, das kürzere “ap” Veränderung. Saterfriesisch enthält verschiedene von diesen Wortpaaren, wie oane/oun (in), trugge/truch (durch) und ute/uut (aus).

Die Entdeckung, dass der Bedeutungsaspekt “Veränderung” auch diesem Formunterschied im Saterfriesischen zugrundeliegt, ist ein “Nebenfang” des Projekts saterfriesische Grammatik. Hoekstra und Slofstra sind mit Tessa Leppers die Autoren einer Online-Grammatik des Saterfriesischen. Henk Wolf und Pyt Kramer haben sie dabei unterstützt. Die Grammatik wurde 2021 im Auftrag der Gemeinde Saterland und mit Unterstützung des Landes Niedersachsen von der Fryske Akademy hergestellt.

(Quelle: seeltersk.de und Universität Oldenburg, 23.06.2022)

(Photo: Sincerely Media on Unsplash)

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