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2020: 100 Jahre dänische Minderheit in Deutschland und deutsche Minderheit in Dänemark

17.01.2020

Die dänische Minderheit in Deutschland, die deutsche Minderheit in Dänemark – und die Mehrheitsbevölkerung im deutsch-dänischen Grenzland – feiern 2020 ein ganz besonderes Jubiläum: Vor hundert Jahren, im Februar und März 2020 fanden zwei Volksabstimmungen über den Verlauf der Grenze statt. Die Bevölkerungsmehrheit im Norden des alten Herzogtums Schleswig, das seit 1864 zu Preußen/Deutschland gehört hatte, votierte für Dänemark und wurde mit dem Königreich wiedervereinigt. Südlich und nördlich der Grenze organisierten sich danach eine dänische und eine deutsche Minderheit.

2020: Über 1.000 Veranstaltungen
Aus Anlass der zahlreichen Jahrestage werden insgesamt mehr als 1000 Veranstaltungen in Dänemark und Deutschland im Laufe des Jahres durchgeführt. Neben vielen dänischen Wiedervereinigungsveranstaltungen werden dabei auch die Geburtstage der Minderheiten und die allmähliche Befriedung der Grenzregion durch eine pragmatische Minderheitenpolitik gefeiert. Die demokratisch bestimmte Grenze wird dabei als Voraussetzung für diese Entwicklung gesehen, wobei nicht zuletzt die Minderheiten in den ersten Jahrzehnten nach der Volksabstimmung durchaus noch wiederholt die Grenzlinie in Frage gestellt haben. Erst nach dem zweiten Weltkrieg und den Bonn-Kopenhagener Erklärungen entwickelte sich die Situation allmählich vom Gegeneinander über ein Nebeneinander zum Miteinander, das heute gefeiert wird.

Höhepunkte der dänischen Minderheit in Südschleswig
Höhepunkt der Feierlichkeiten der dänischen Minderheit, zu denen auch hochrangige Regierungsvertreter aus Dänemark erwartet werden, sind die Jahrestreffen – årsmøder – vom 19. bis 21. Juni. Bei der Veranstaltungsreihe, die traditionell annähernd 20.000 Teilnehmer verzeichnet, werden u.a. die Geburten des Sydslesvigsk Forening und des Schulvereins Dansk Skoleforening for Sydslesvig im Sommer 1920 gefeiert. Ein besonderer Höhepunkt ist auch die Ung Genforening („junge Wiedervereinigung“), bei der alle Schülerinnen und Schüler der dänischen Minderheitenschule in der Woche 20 im Mai für fünf Tage an Schulen in ganz Dänemark zu Gast sind. Einen anderen Höhepunkt des Jubiläums, der mehrtägige Besuch der dänischen Königin in Schleswig-Holstein und bei der dänischen Minderheit aus Anlass des 100-Jährigen, wurde schon Anfang September 2019 vorweggenommen (über den Besuch hier).

Höhepunkte der deutschen Minderheit in Nordschleswig
Auch bei der deutschen Minderheit in Dänemark wird entsprechend Geburtstag gefeiert. Höhepunkte sind das Knivsbergfest im Juni, bei dem die deutsche Minderheit ihr 100-jähriges Bestehen feiert, die Eröffnung des neuen Deutschen Museums in Sonderburg im Juli und der Deutsche Tag im November, bei dem das 75-jährige Bestehen des BDN (Bund Deutscher Nordschleswiger) gefeiert werden soll.

Bürgerfest im August und deutsch-dänische Konferenzen in Kopenhagen und Kiel im Herbst
Höhepunkt der gemeinsamen Feierlichkeiten von Mehrheit und Minderheit in Schleswig-Holstein wird ein zweitägiges Bürgerfest des Landes am 22. und 23. August in Flensburg. Außerdem veranstalten der Schleswig-Holsteinische Landtag und das dänische Parlament zusammen mit den Minderheiten im November zwei deutsch-dänische Konferenzen im Kopenhagener Parlament und im Kieler Landtag.

Feierlichkeiten am 10. Januar in Kopenhagen offiziell eingeläutet
Während man auf deutscher Seite den Schwerpunkt der Feierlichkeiten auf den Spätsommer und Herbst 2020 gelegt hat, steht in Dänemark das erste Halbjahr im Mittelpunkt. Das Jubiläumsjahr wurde am 10. Januar im Rahmen einer Gala im Königlichen Theater in Kopenhagen in Anwesenheit von Königin Margrethe, Regierungschefin Mette Frederiksen, Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther, dem Minderheitenbeauftragten der Bundesregierung Dr. Bernd Fabritius sowie rund 1000 weiteren Gästen, darunter viele Minderheitenvertreter, offiziell eingeläutet. Bei der Veranstaltung trafen führende Vertreter der deutschen Minderheit aus Nordschleswig und der dänischen Minderheit aus Südschleswig mit Königin Margrethe zusammen. In Nordschleswig finden bis Juli eine Reihe von offiziellen Festakten und Bürgertreffen statt, an deren Abschluss wiederum die Königin und auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teilnehmen wird.

Bei der großen Wiedervereinigungs-Gala Mitte Januar hob Ministerpräsidentin Frederiksen die besondere Rolle der Minderheiten in dem guten deutsch-dänischen Miteinander der Gegenwart hervor: "Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass Grenzen nicht nur trennen, sondern auch verbinden. In der Grenzregion gibt es nebeneinander deutsche und dänische Kindergärten, Schulen und Bibliotheken, und es gibt Freiräume, um sowohl dänisch als auch deutsch zu sein. Darüber bin ich froh. Ich möchte den Minderheiten mitteilen: Sie können stolz sein. Die Mehrheit respektiert die Minderheit, und die Minderheit respektiert die Mehrheit. Sie zeigen, dass Sie an Ihrer Kultur festhalten können, aber gleichzeitig die Mehrheit respektieren. Man kann sein Herz an zwei Orten haben – sowohl in Dänemark als auch in Deutschland. Sie sind eine Inspiration und ein Vorbild, nicht nur für uns, sondern für die ganze Welt", so Mette Frederiksen. 

Gemeinsamer Antrag an die UNESCO für den Erhalt von immateriellem Kulturerbe
In diesem Geiste wollen die beiden Staaten auch bis Ende März bei der UNESCO in Paris einen gemeinsamen Antrag einreichen. Geht es nach ihnen, soll das „deutsch-dänische Minderheitenmodell“ und das gute Zusammenleben im Grenzland als gutes Praxisbeispiel für den Erhalt von immateriellem Kulturerbe in das entsprechende UNESCO-Register aufgenommen werden.

Über die Feierlichkeiten im Grenzland hinaus haben Deutschland und Dänemark 2020 zum „deutsch-dänischen Freundschaftsjahr“ erklärt, das mit einer Reihe weiterer Veranstaltungen begangen wird.

Pressemitteilung des SSF, Lars Erik Bethge

weitere Informationen:

Vertreter der Minderheiten im deutsch-dänischen Grenzland gemeinsam mit dem Minderheitenbeauftragten von Schleswig-Holstein Johannes Callsen, dem Minderheitenbeauftragten der Bundesregierung Bernd Fabritius, dem Landtagspräsidenten Klaus Schlie und Staatssekretär Dirk Schröter; Foto: BMI
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