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Die Gesichter der dänischen Minderheit

23.06.2020

Hattstedt/Hatsted/Haats: Ein Rentner sitzt ruhig in seinem Wohnzimmer und gießt Kaffee und Sahne in seine Kaffeetasse. Erst nach wenigen Sekunden sieht der Zuschauer, dass er die beiden Substanzen gleichzeitig in die Tasse gießt und dass die Beleuchtung in Gelb und Blau hinter ihm auch nicht eindeutig ist. Es zerreißt oder stört nicht die Harmonie des Bildes, jedoch weckt es Erstaunen und einen Hauch von Neugier. Genau das ist die Essenz der Fotoausstellung "Ansigter - 2020 - Gesichter". Die Ausstellung ist die Erste, welche im nordischen „Kunst und Cricket Mikkelberg“ nach der Corona Zeit zu sehen ist.

20 x Minderheiten
Die Ausstellung zeigt künstlerische Porträts von 20 Angehörigen der dänischen und deutschen Minderheiten. Sie wurden alle in einem Moment festgehalten, der auf seine Weise zeigt, dass sie Teil einer Minderheit sind. Zum Beispiel, wenn der 80-jährige Christian Marquardsen aus Løgumkloster Kaffee und Sahne in dieselbe Tasse gießt. Außerdem gibt es persönliche Reflektionen darüber Dänin, Deutsche und Botschafterin im Grenzland zu sein: „Ich bin zu 100 Prozent echte Deutsche und zu 100 Prozent echte Dänin, also eine Nordschleswigerin“, so schreibt eine der Porträtierten, die 19-jährigen Studentin Sofie Knauer, über ihre Zugehörigkeit.

Die 20 Porträts wurden von den vier Fotografen Lene Esthave, Tim Riediger, Lars Salomonsen und Martin Ziemer aufgenommen. Alle vier sind oder waren mit der Presse verbunden. Sie sind es gewohnt, die Gegenwart durch ihre Linsen festzuhalten und das Grenzland darzustellen. In enger Zusammenarbeit mit dem Danevirke Museum und dem Deutschen Museum Nordschleswig haben sie das Jahr Grenzlandjahr 2020 fotografisch abgesteckt. Die 20 Teilnehmer und Teilnehmerinnen wurden durch Anzeigen in Zeitungen und sozialen Medien gefunden, denn es sollten nicht die üblichen bekannten Gesichter der Minderheit portraitiert werden. Es sollten „normale“ Menschen aus der Minderheit sein die hier auch Platz finden, um ihre Gefühle zu äußern.

Keine Manipulation
Dann mussten die Fotografen ein Bild erstellen, das diese Gefühle widerspiegelt, eine schwere Aufgabe. Die vier professionellen Fotografen forderten sich selbst und einander heraus, indem sie dies ohne den Einsatz von Photoshop oder andere Bildbearbeitungen bewerkstelligten. „Nur ein Bild durfte dabei rauskommen und wir durften lediglich die Effekte der Kamera benutzen, keine anderen Bearbeitungen“, so Tim Riediger. Im Gegenzug durften die Fotografen mit allen Funktionen rumspielen; Licht, Setup und verschiedene Orte. So wird eine Frau auf etwas dargestellt, was einer lokalen Brücke ähnelt. Eine andere trägt eine dänische Nationaltracht ("Folkedragt"). Ein junger Mann liegt auf einer Figur, die das Grenzland darstellt, bestehend aus Sand und Beton. Und die 17-jährige Mieke Feddersen sitzt in ihrem Schlafsaal in Aabenraa. „Mein Vater ist Nordschleswiger, aber ich bin in Südschleswig aufgewachsen, so habe ich mich mein ganzes Leben schon als beides gefühlt“, sagt Mieke Feddersen, als sie ihren Eltern nach dem Eröffnungsempfang am Sonntag ihr Porträt in der Ausstellung vorstellt.

Als Corona kam
Die Ausstellung „Ansigter - 2020 - Gesichter" wurde mit Unterstützung des Landtages Schleswig-Holstein und der Investmentbank Schleswig-Holstein ins Leben gerufen und sollte ursprünglich am 17. März im Kieler Landtag Premiere haben. Die Veranstaltung wurde jedoch wegen Corona abgesagt. „Stattdessen hatte die Ausstellung nun hier Premier, und hier können glücklicherweise bis zu 50 Personen gleichzeitig anwesend sein. Auch ohne Anmeldung können nun Besucher vorbeikommen und darauf freuen wir uns“, so Lisbeth Christensen. „Es sollte nämlich auch eine offene Ausstellung sein die andere willkommen heißt, genauso wie unsere Minderheit“.

Die Ausstellung ist bis zum 14. August in Mikkelberg zu sehen. Danach tourt sie durch Tondern, Frederiksberg und - wenn alles gut geht - irgendwann viellelicht auch in den Landtag in Kiel.

(Quelle: Pressemitteilung des Flensborg Avis vom 14. Juni 2020)

cover picture: Mieke Feddersen und der Fotograf Tim Riediger präsentieren Miekes Porträt in der Ausstellung (Foto: Kira Kutscher)

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