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Antiziganismus: Keine Besserung in Sicht; Amaro Foro stellt Antiziganismusbericht 2018 vor

14.10.2019

Amaro Foro e. V. präsentiert die antiziganistischen Vorfälle 2018 zusammen mit einem Rückblick auf die letzten 5 Jahre.

Die Dokumentationsstelle Antiziganismus (DOSTA) von Amaro Foro e.V. hat in den letzten 5 Jahren (2014-2018) 699 antiziganistische und diskriminierende Vorfälle erfasst. Im letzten Jahr (2018) blieb die Zahl mit 161 Vorfällen auf dem beunruhigend hohen Niveau des Vorjahres (2017: 167).
Die Broschüre zu 5 Jahre DOSTA gibt es auf der Webseite unter www.amaroforo.de/antidiskriminierungsarbeit und unter folgenden Link.

„Diese Zahlen sind nicht als repräsentativ anzusehen, da wir von einer hohen Dunkelziffer ausgehen. Sie bieten aber einen tiefen Einblick in die Funktionsweise rassistischer Abwertungen und Ausschlüsse. Die meisten Meldungen haben uns in allen Projektjahren aus den Lebensbereichen ,Kontakt zu Leistungsbehörden' und ,Alltag und öffentlicher Raum' erreicht. Dabei handelt es sich sowohl um individuelle antiziganistische Verhaltensweisen als auch um strukturelle Ausschlüsse, um latenten ebenso wie um expliziten Antiziganismus“, erklärt Projektmitarbeiterin Violeta Balog.

„Wir beobachten, dass Menschen mit selbst- oder fremdzugeschriebenem Roma-Hintergrund inzwischen unter Generalverdacht zu stehen scheinen – bei den Behörden und ihren Mitarbeiter*innen, aber auch in Schulen, gesetzlichen Krankenkassen, am Arbeitsplatz und im Kontakt mit Justiz- und Ordnungsbehörden. Für sie sind Beleidigungen, Bedrohungen und sogar Angriffe eine schmerzliche alltägliche Erfahrung und etwas, womit im Kontakt zur Mehrheitsgesellschaft jederzeit zu rechnen ist. Dies wirkt sich massiv auf ihre individuellen Biografien und ihre Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe aus“, betont Georgi Ivanov, Vorstandsmitglied von Amaro Foro.

„Einen wichtigen Hintergrund dieser Vorfälle bilden dabei politische und mediale Debatten, die in den letzten Jahren immer stärker antiziganistisch geprägt waren. Deshalb beinhaltet das Projekt von Beginn an auch ein Medienmonitoring, um die Vorfälle in einen gesellschaftlichen Kontext einordnen zu können. Außerdem werden die Facebook-Auftritte von NPD und AfD ausgewertet. Im Rückblick auf die gesamte Projektlaufzeit lässt sich eine deutliche Verschiebung der Diskurse nach rechts konstatieren. Verbunden damit ist eine immer geringere Hemmschwelle, sich antiziganistisch zu äußern, die sich dann wiederum in den direkt gemeldeten Vorfällen unmittelbar niederschlägt“, erklärt Projektmitarbeiterin Andrea Wierich.

Aufbauend auf den Erfahrungen aus der Dokumentation und den anderen Projekten von Amaro Foro e.V. wurden politische Empfehlungen für alle Lebensbereiche erarbeitet, um antiziganistische und rassistische Ausschlüsse abzubauen, den Betroffenen größere Unterstützung anbieten und ihre Situation verbessern zu können. Entscheidend sind die Sensibilisierung und die Prävention ebenso wie die Möglichkeit einer Sanktionierung auch da, wo Vorfälle nicht strafrechtlich relevant sind. Letztlich geht es darum, Betroffene zu stärken, um ihre gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.

Zu den Erkenntissen des Berichts erklärt der Senator für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung, Dr. Dirk Behrendt: „Die Zahl antiziganistischer Vorfälle bleibt in der Hauptstadt auf besorgniserregend hohem Niveau. Keine andere Minderheit ist in Europa so stark von Benachteiligung und Diskriminierung betroffen wie die der Sinti und Roma. Ich bin Amaro Foro dankbar, dass sie Licht in das Dunkelfeld antiziganistischer Vorfälle in Berlin bringen. Ich hoffe, dass sich so auch ein neues Bewusstsein über die Allgegenwärtigkeit des Antiziganismus entwickelt.“

Hintergrund
Amaro Foro e.V. ist ein transkultureller Jugendverband von Rom*nja und Nicht-Rom*nja mit dem Ziel, jungen Menschen durch Empowerment, Mobilisierung, Selbstorganisation und Partizipation Raum zu schaffen, um aktive Bürger*innen zu werden. Als junge Rom*nja und Nicht-Rom*nja übernehmen wir gemeinsam Verantwortung in der Gesellschaft für Achtung und gegenseitigen Respekt. Die Dokumentationsstelle Antiziganismus (DOSTA) wird von Amaro Foro seit 2014 umgesetzt und ist bundesweit das einzige Projekt dieser Art. Antiziganistische Vorfälle in Berlin in allen Lebensbereichen werden dokumentiert und jährlich veröffentlicht. Mit gezielter Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit wird auf Antiziganismus aufmerksam gemacht und politische und soziale Akteure ebenso wie die Medien sensibilisiert. Das Projekt wird von der Landesantidiskriminierungsstelle gefördert.

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