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Die prekäre Lage des Nordfriesischen: Friesischunterricht konsequent ausbauen!

10.05.2022

In einem offenen Brief und einem Brandbrief machen friesische Organisationen und Lehrkräfte auf die prekäre Situation des Friesischunterrichts in Nordfriesland aufmerksam und fordern von der Politik konkrete Unterstützung zum Ausbau des Friesischangebotes in Schulen. Schon im März waren die eklatanten Defizite im Bereich des Friesischunterrichtes anlässlich des Besuches des Beratenden Ausschusses des Europarats thematisiert worden.

Die Zahl der Friesisch lernenden Kinder in Nordfriesland hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten halbiert. Friesichunterricht wird momentan auf einem Minimum überwiegend in den Grundschulen und als freiwillige AG außerhalb der Unterrichtszeit angeboten. Mangelnde personelle Ressourcen, zu wenig Abordnungsstunden für Lehrpersonal und  das Fehlen einer Koordinierungsstelle zur Bereitstellung von Unterrichtsmaterialien verstärken die Problematik.

Friesische Organisationen bemängeln ein Versagen der Politik und forderten nun in einem Offenen Brief die Landesregierung Schleswig-Holsteins zum konkreten Handeln auf. Auch Friesischlehrkräfte des Kreises Nordfriesland machten in einem Brandbrief den Bund und das Land Schleswig-Holstein auf die prekäre Lage der Minderheitensprache Nordfriesisch in den Schulen aufmerksam.

Obwohl die friesische Sprache seit Jahren zunehmende Popularität insbesondere auch unter jungen FriesInnen genießt, ist der Friesischunterricht rückläufig. Das dürfe so nicht weiter gehen, forderten die friesischen Organisationen und Lehrkräfte, Es könne nicht sein, dass Friesisch oft erst nach Schulschluss angeboten wird und Lehrkräfte ihr Unterrichtsmaterial in der Freizeit selbst herstellen müssen. Was es jetzt brauche, seien professionelle Strukturen jenseits des Ehrenamtes, mehr Lehrkräfte, mehr Sprachkurse, gezielte Aus- und Weiterbildungen und eine Aufwertung des Faches Friesisch zu einem regulären Schulfach.

Es bedürfe auch der Erarbeitung von Lehrplänen für das Fach Friesisch. Hierfür und um aktuelles Lehrmaterial sowie die Fortbildung der Lehrkräfte dauerhaft sicherzustellen, müsse eine Institution für die Erstellung von Lehrmaterial und zur Sprachausbildung der Lehrkräfte in Nordfriesland gegründet werden, die Finanzierung dieser Aufgaben müsse entsprechend in die Haushaltsplanung des Landes aufgenommen werden.

Auf europäischer Ebene können sich die Nordfriesen auf die "Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen" und das "Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten" berufen. Beide Rechtsinstrumente sind gleichzeitig Bundesgesetz und werden regelmäßig vom Europarat auf dessen Umsetzung geprüft. Dabei kommen auch die Nordfriesen als direkt Betroffene zu Wort.

Am 28.03.2022 empfing eine Delegation des Europarats unter der Leitung von Dr.  Igor Lakić (Montenegro) die VertreterInnen der Nordfriesen in Hamburg. Die friesische Delegation brachte dabei auch die verheerende Lage in den Bereichen Medien und besonders Bildung vor. So wurde massiv kritisiert, dass die Wertschätzung des Friesischunterrichts einfach zu gering sei, um die stark bedrohte Sprache langfristig zu sichern. Und gemessen an der Situation der sorbischen Minderheit in Brandenburg / Sachsen unternehme die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt NDR aus Sicht der friesischen Sprechergruppe viel zu wenig, um die friesische Sprache sicht- und hörbar zu machen.

"Leider gibt es noch viele Baustellen! Hier muss dringend nachgebessert werden", forderte auch die Vorsitzende des Frasche Rädj / Friesenrat Sektion Nord, Ilse Johanna Christiansen.

(Quelle: Pressemitteilung SSW, 29.04.2022; Pressemitteilung Friesenrat Sektion Nord e. V., 29.03.2022)

Obere Reihe v.l.n.r: Ilwe Boysen (Friisk Foriining), Gudrun Fuchs (Nordfriesischer Verein), Frank Nickelsen (Frasche Rädj / Friesenrat Sektion Nord), Dr. Claas Riecken (Nordfriisk Instituut), Jürgen Ingwersen (Sölring Foriining). Untere Reihe v.l.n.r: Beate Sibylle Pfeil (Europarat, Deutschland), Ilse Johanna Christiansen (Frasche Rädj / Friesenrat Sektion Nord), Dr. Igor Lakic (Montenegro) und Dr Nataša Gliha Komac (Slowenien). (Quelle: Friesenrat Sektion Nord e.V.)
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