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Dänische Königin Margrethe II. begeistert Friesen

09.09.2019 - Die Monarchin hat der Risum Skole/Risem Schölj einen Besuch abgestattet: "Margrethe II. ist auch die Königin der Friesen!"
Von Hagen Wohlfahrt und Dorthe Arend, SHZ

Risum-Lindholm: Ob das Wetter hält? Die Wartenden vor der dänisch-friesischen Risem Schölj senden bange Blicke gen Himmel. Viele haben rot-weiße Fähnchen mitgebracht, einige sogar aus Schminke auf der Wange. Schließlich kommt Königin Margrethe II. von Dänemark nicht alle Tage nach Risum-Lindholm.

Aber nicht nur der Dannebrog wird immer wieder probeweise geschwungen, sondern auch Friesenfahnen in Gold, Rot und Blau zeigen deutlich: Hier gibt es eine Besonderheit.

Viele Kinder säumen den Schulhof
Dann geht es ganz schnell: Die Königin wird in einer schwarzen Limousine mit Blaulicht vorgefahren, steigt aus, winkt – wie könnte es auch anders sein – königlich und erntet Jubel.
Viele Kinder, auch von dänischen Kindergärten und Schulen aus anderen Orten der Region, säumen den Schulhof, aber auch einige erwachsene Schaulustige lassen sich diese Gelegenheit nicht entgehen.
Margrethe II. winkt weiter, schüttelt Hände ausgesuchter Repräsentanten und wird dann in die Schule geführt. Dort bekommt sie kurze Einblicke in Gesangs- und Handwerkskunst der Schüler.

„Schön, wirklich schön“, sagt die 79-jährige Majestät im Werkraum. Dann blickt sie aus dem Fenster: „Oh nein, wie es regnet!“, sagt sie bedauernd mit Blick auf die Menschen, die draußen trotz kräftiger Schauer ausharren, bis die Königin wieder aus dem Gebäude tritt.

Wenig später begibt sich die Monarchin nebst Begleittross in die Turnhalle hinüber, wo der längste Programmpunkt des knapp einstündigen Besuchs ansteht. Margrethe II. wird dort drei kurze Vorträge über friesische Kultur und Geschichte hören, außerdem spielen Schüler Theater; es geht um König Abel, einen mittelalterlichen Vorgänger Margrethes.

Dass die friesische Volksgruppe und nicht die dänische Minderheit an diesem Vormittag im Rampenlicht steht, geschieht dem Vernehmen nach auf den ausdrücklichen Wunsch ihrer Majestät.

Die einzige dänische Schule, an der auch Friesisch gelehrt wird
„Wir freuen uns, dass die Königin zum ersten Mal bei den Friesen ist“,
sagt Ilse Johanna Christiansen, die Vorsitzende des Friesenrats, Sektion Nord, als man auf dem Schulhof noch auf Margrethe II. wartet. Deshalb wurde auch die Risum Skole/Risem Schölj ausgewählt – sie ist die einzige dänische Schule im Land, an der auch Friesisch gelehrt wird.

„Wenn wir unsere Sprache verlieren, verlieren wir unsere Identität“, sagt Bahne Bahnsen, Vorsitzender der Friisk Forening, der erste der Vortragenden. Die Königin hat inzwischen in einem Sessel vor der Bühne Platz genommen. In der Turnhalle haben sich zuvor weitere Repräsentanten der Friesen eingefunden.

Wo kommen die Friesen eigentlich her?
Altbürgermeister Hauke Christiansen vertritt offiziell seinen Nachfolger, der im Urlaub weilt. Christiansen hätte die Königin gerne im Namen der Gemeinde begrüßt, aber das Protokoll ließ das nicht zu. „Keine Chance, das ist hier minutiös geplant“, sagt der frühere Schüler der Risum Skole / Risem Schölj.

„Wo kommen die Friesen eigentlich her?“, fragt Ingwer Nommensen, ehemaliger Vorsitzender des Friesenrats, und weist auf einen für Außenstehende schwer nachvollziehbaren Umstand hin. Als Friese könne man nämlich deutsch, dänisch oder eben einfach friesisch sein.

Friesen seien auch ein bisschen anarchisch, witzelt Dr. Claas Riecken vom Nordfriisk Instititut. Aber ein bisschen Ernst ist auch dabei. Für die Friesen sei das 100. Jubiläum des Referendums in Schleswig im nächsten Jahr „kein Grund zum Feiern. Es hat die Friesen gespalten“, so Riecken.

Für ihn geht es um die Frage: Wie behauptet man sich als Minderheit in einer globalisierten Welt, „ohne eigene Minderheiten-Schulen, ohne eigene Zeitung, ohne Friesisch im Fernsehen, ohne eigenes Mutterland, wie es die dänische Minderheit in Deutschland und die deutsche Minderheit in Dänemark haben“.

Königin verlässt das Protokoll
Im Anschluss entscheidet sich die Königin, das Protokoll für einen Moment zu verlassen und noch einige Worte an die Versammlung zu richten – das war gar nicht vorgesehen. Besonders herzlich bedankt sie sich bei den Kindern.

Friesisch sei eine schöne Sprache, auch wenn sie nur den Klang beurteilen könne, sagt Margrethe II, sie spreche leider kein Friesisch, erläutert sie, und tut es dann doch, indem sie das Wort sagt, das sie gerade von einem Vorredner gelernt hat: „Adjis!“

Das friesische Tschüs hallt noch ein bisschen nach, während sich die Monarchin aus dem Nachbarland für die Abfahrt rüstet. „Margrethe II. ist auch die Königin der Friesen“, sagt Bahne Bahnsen im Nachgang lächelnd, obwohl die Monarchie nicht seine bevorzugte Staatsform sei. „Aber wir schätzen sie, weil sie eine herausragende Persönlichkeit ist.“

Wenig später macht sich der Konvoi aus Polizei, Offiziellen und königlicher Limousine (mit Kieler Kennzeichen) auf den Weg Richtung Flensburg. Der Besuch hat deutlich länger gedauert, als vom Dänischen Generalkonsulat angekündigt.

Dänemarks Königin Margrethe II. hat ihren knapp einstündigen Besuch in der dänisch-friesischen Schule Risum Skole/Risem Schölj beendet. Die Monarchin war am Vormittag gegen 10.20 Uhr von vielen Kindern und Teilen der Bevölkerung mit viel Jubel im Schulhof empfangen worden.

Quelle: Artikel des SHZ vom 06. September 2019

titulny wobraz: Dänische Königin Margrethe II. begeistert Friesen. Foto: SHZ, Volkert Bandixen

Königin Margrethe II. trifft an der Risum Skole/Risem Schölj ein. Links Schulleiterin Berit Nommensen. – Quelle: https://www.shz.de/25468972 ©2019, Hagen Wohlfart
Die Königin nahm Platz im Sessel vor der Bühne. – Quelle: https://www.shz.de/25468972 ©2019, Volkert Bandixen
Die dänische Königin Margrethe II. zu Gast im Werkraum der Risum Skole/Risem Schölj. – Quelle: https://www.shz.de/25468972 ©2019, Volkert Bandixen
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