Aktuelles

Deutsch-dänisches Minderheitenmodell als immaterielles Kulturerbe der UNESCO nominiert

31.03.2020

Die Lage durch Covid-19 trifft auch die vier nationalen Minderheiten, es mussten alle Veranstaltungen zum 100-jährigen Jubiläum der deutsch-dänischen Grenzziehung abgesagt werden. Umso schöner ist es nun eine erfreuliche Mitteilung veröffentlichen zu können:

Seit heute liegt der Antrag auf Eintragung des deutsch-dänischen Minderheitenmodells in das Register Guter Praxisbeispiele der UNESCO vor. Über die Aufnahme in das UNESCO-Register entscheidet der Zwischenstaatliche Ausschuss zum Immateriellen Kulturerbe Ende 2021.

Das deutsch-dänische Minderheitenmodell gilt als vorbildlich für ein friedliches Zusammenleben. Die Minderheiten sind sehr gut in die jeweilige Gesellschaft integriert und tragen maßgeblich zur Vielfalt der Region bei. Sie werden von der jeweiligen Mehrheitsbevölkerung als deutliche kulturelle Bereicherung der Region wahrgenommen.

Gitte Hougaard-Werner, Vorsitzende des Sydslesvigsk Forening (SSF), sagt: „Die Nominierung ist ein großer Schritt für die gesamte Region –sowie für Dänemark und Deutschland. Nach bedauerlichen Jahren mit Kriegen und Konflikten im Grenzland ist es uns gelungen, eine Kluft zu überwinden, die noch vor wenigen Jahren unüberwindbar schien. Wir befinden uns heute in einer Situation, von der andere Grenzregionen lernen können. Wir haben es geschafft, uns von Feindschaft zu Freundschaft zu bewegen –und haben dabei die sprachliche und kulturelle Vielfalt bewahren können.“

Hinrich Jürgensen, der Vorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), erläutert: „Das friedliche Zusammenleben zwischen Minderheiten und Mehrheitsbevölkerungen ist in den letzten Jahrzehnten zusätzlich gewachsen. Wir haben uns gemeinschaftlich von gewaltsamen Konflikten wegbewegt. Aber an unsere Geschichte müssen wir uns stets erinnern, denn das Erreichte ist keine Selbstverständlichkeit. Die UNESCO-Nominierung wird uns darin stärken, die kulturelle Vielfalt auch für kommende Generationen zu sichern. Gleichzeitig werden andere Grenzregionen auf uns aufmerksam werden und hoffentlich von uns lernen, wie Minderheiten und Mehrheitsbevölkerungen friedlich zusammenleben können.“

Die Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein, Karin Prien, verdeutlichte: „2020 ist ein Jubiläumsjahr. Gemeinsam feiern Deutschland und Dänemark unter dem Motto ‚Gemeinsam über Grenzen‘ und erinnern damit an die historische Volksabstimmung von 1920. Das Grenzland ist ein vorbildlicher Raum kultureller Vielfalt undein Raum grenzüberschreitender Kooperationen. Es ist ein Raum, in dem die jeweiligen nationalen Eigenheiten des anderen geschätzt, geachtet und geliebt werden. Schon jetzt findet dieses Grenzland europaweit Beachtung als ein Beispiel gelingender Minderheitenpolitik. Die Aktivitäten der Minderheiten sind vielfältig sichtbar und werden als Mehrwert für die ganze Region anerkannt.“

Die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission Prof. Dr. Maria Böhmer betont: „Das friedliche Zusammenleben der Minderheiten imSchleswiger Grenzland ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie Kultur Grenzen überwinden kann. Die Menschen haben einander den Blick für die jeweils andere Kultur geöffnet. Längst ist eine grenzüberschreitende Identität entstanden. ‚Die Anderen‘ sind ein Teil des ‚Wir‘ geworden. Das ist wahrhaft der gelebte Geist der UNESCO!“

(Quelle: gekürzte Fassung der Gemeinsamen Pressemitteilung des Auswärtigen Amtes, des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein, des Sydslesvigsk Forening, des Bundes Deutscher Nordschleswiger, und der Deutschen UNESCO-Kommission; ausführliche Statements von Staatsministerin Michelle Müntefering, der dänischen Kulturministerin Joy Mogensen und Monika Grütters, der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, sowie Hintergründe der Bewerbung, können in der ausführlichen Pressemitteilung nachgelesen werden.)

Stellungnahme des Vorsitzenden des Minderheitenrates:
Zum jetzt eingereichten Antrag auf Eintragung des deutsch-dänischen Minderheitenmodells in das Register Guter Praxisbeispiele der UNESCO erklärt Dawid Statnik, Vorsitzender des sorbischen Dachverbandes Domowina und derzeit auch Vorsitzender des Minderheitenrates der vier autochthonen Minderheiten und Volksgruppen in Deutschland:
„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die deutsch-dänische Modellregion als Inspiration für andere Minderheiten dient. Deshalb haben der Minderheitenrat und die Domowina diese Bewerbung von Anfang an unterstützt; wir freuen uns, dass das Vorhaben nun in die offizielle Phase eintritt. Insbesondere auch durch die intensive und selbstverständliche Zusammenarbeit der dänischen Minderheit mit den Nordschleswigern in Dänemark, sowie den Nordfriesen und den deutschen Sinti und Roma, die im Grenzland ansässig sind, hat die Region ein Alleinstellungsmerkmal entwickelt, welches als gutes Beispiel für andere Regionen angesehen werden kann. Was dort in hundert Jahren gewachsen ist, kann auch uns in der Lausitz als Ermutigung dienen, das deutsch-sorbische Miteinander als Alleinstellungsmerkmal unserer Region entsprechend gewinnbringend für alle weiter zu profilieren. Auch deshalb wünschen wir dem deutsch-dänischen Minderheitenmodell auch für die Zukunft viel Erfolg!"

(Quelle: Pressemitteilung der Domowina vom 01.04.2020)

Download
Download
Zurück zur Übersicht

Moin!

Wutrobnje witajće!

Hjertlig velkommen!

Latscho Diewes!

Hartlik wäljkiimen!

Witajśo k nam!

Herzlich Willkommen!

Welcome!