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Statnik zum Tag der Muttersprache: Eigene Verantwortung nicht an Staat delegieren – für Gleichberechtigung der Sprachen in der Lausitz

22.02.2021

Zum Internationalen Tag der Muttersprache am 21. Februar (Sonntag) erklärt Dawid Statnik, Vorsitzender der Domowina:

Sprache bewahrt man mit Sprechen. Sorbisch ist nicht nur Muttersprache (maćeršćina), manchmal wird sie auch als Vatersprache oder Großvatersprache weitergegeben – ungeachtet dessen, dass diese Wörter bisher offiziell im Sorbischen nicht existieren – vielleicht ist das Teil der nächsten Gender-Debatte. Viele Heranwachsende haben wichtige Impulse für ihre Sprachentwicklung nicht nur von den Eltern, sondern auch von vorangehenden Generationen, zum Beispiel der Großmutter, erhalten. Die Verantwortung fürs Weitergeben und Erhalten unserer Sprache liegt aber bei jedem selbst. Die eigene Sprache, ob Sorbisch, Deutsch oder Englisch etc. bewahrt man, solange man sie anwendet. Solange man die Sprache selbst pflegt, wird diese auch als aktive Sprache fortbestehen. Das können wir niemandem anderen überlassen, auch an den Staat können wir das nicht delegieren. Natürlich ist und bleibt es Privatangelegenheit, in welcher Sprache man mit seinen Kindern und Enkeln redet – aber wir müssen uns in jeder Generation bewusst machen, dass eine solche private Entscheidung Auswirkungen auf Gegenwart und Zukunft unseres Volkes hat, die die besten pädagogischen Konzepte für Kindergarten und Schule weder ersetzen noch ausgleichen können. Natürlich kümmern wir uns zusammen mit dem Staat um den nötigen rechtlichen Rahmen. Wir leben in einer Epoche der Freiheit. Niemand verbietet uns, unsere Sprache zu gebrauchen, und wer das versucht, bricht Gesetze. Das ist ein Sieg der Vernunft und Folge dessen, dass sich unsere Vorfahren der Falle des nationalistischen Denkens und der Deklassierung „anderer“ Völker entledigt haben.

Auf der Welt gibt es noch 7.000 Sprachen. Rund tausend sind bereits verschwunden, 3.800 bedroht. Deshalb will die UNESCO auch mit dem Internationalen Tag der Muttersprache besonders für die Förderung der Minderheitensprachen sensibilisieren. Der Hauptgrund für den Tod einer Sprache ist die Dominanz einer anderen Sprache. Wir begrüßen von Jahr zu Jahr intensivierte Maßnahmen der Bundesländer Brandenburg und Sachsen zur Ermunterung der Anwendung von Niedersorbisch, Obersorbisch und Schleifer Sorbisch. Hier sind wir gemeinsam auf einem guten Weg, das Wichtigste ist aber noch eine große Herausforderung: die konsequente Gleichberechtigung, die täglich und selbstverständlich gelebt wird.

Die sorbische Beschriftung aller öffentlichen Gebäude, Tafeln, Wegeweiser überall und selbstverständlich in der gleichen Größe wie das Deutsche – das ist der neue Standard, für den wir uns einsetzen. Dabei sehe ich inzwischen gute Ergebnisse, die das Sorbische in der Öffentlichkeit stärken. Das ist nicht nur eine Etikette, sondern Ausdruck gegenseitiger Wertschätzung, das Bewusstmachen der Geschichte und die Pflege der Besonderheit der Lausitz.

Ungeachtet dessen haben wir selbst die Verpflichtung, gute Beispiele zu schaffen. Veranstaltungen, bei denen nur Begrüßung und Verabschiedung sorbisch sind, entsprechen dem nicht – wenn Menschen anwesend sind, die sich sorbisch artikulieren können, sollte ihnen das Recht gegeben werden, unsere Zweisprachigkeit aktiv mit Leben zu erfüllen. Mögen wir diese Zweisprachigkeit lieben wie unsere Auslandsurlaube oder unsere Besuche in der kulinarischen Welt anderer Länder. Dort sind wir doch auch immer neugierig auf etwas „anderes“. Es gibt viele Möglichkeiten. Simultandolmetschen und die dazu gehörende Technik sollten wir furchtlos öfter anwenden, damit wir unsere Sprachräume in der ganzen Lausitz erweitern. Außerdem gibt es in der Lausitz mehr Leute, die sorbisch verstehen, als wir uns denken.

Am Tag der Muttersprache sollten wir uns unseren Reichtum bewusst machen. Sprache ist ein Gefühl, ist Heimat und unsere Identität – egal, ob du Deutscher, Sorbe, Kurde oder Spanier bist. Nur wenn wir Achtung vor der Sprache des anderen haben, wird er diesen Respekt auch meiner Sprache gegenüber erweisen.

(Quelle: Pressemitteilung Domowina, 22.02.2021)

Dawid Statnik, Vorsitzender der Domowina (Foto: Domowina)
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