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Minderheitenrat zu Gast in der Lausitz im Rahmen des XIII. Internationalen Folklorefestivals "Łužica - Lausitz"

08.07.2019 - "Eine Stunde mehr Sorbisch täglich im MDR – Dies sollte auch für das Friesische und Dänische möglich sein!"

Mit dem Erklingen der Festivalfanfare ging am Sonntagabend, den 7. Juli, das XIII. Internationale Folklorefestival "Łužica - Lausitz" erfolgreich zu Ende. Mehr als 1.000 Mitwirkende hatten von Donnerstag bis Sonntag in der Lausitz Programme mit Musik, Liedern und Tänzen ihrer Völker gestaltet. Mit rund 22.000 Besuchern erreichte das diesjährige Festival einen Besucherrekord (weitere Infos zum Festival).

Der Minderheitenrat mit seinem Vorsitzenden Jon Hardon Hansen war zu seiner 3. Minderheitenratssitzung in die Lausitz gekommen, um einen besseren Eindruck über die Lausitzer Sorben in der Nieder- wie auch Oberlausitz zu erhalten. Nach der offiziellen Eröffnung des Folklorefestivals am Donnerstagabend im Deutsch-Sorbischen Volkstheater Budyšin/Bautzen, tagte der Minderheitenrat am Freitagvormittag im Haus der Sorben, wo unter anderem der Kurator der gemeinsam geplanten Wanderausstellung der vier nationalen Minderheiten sowie der Sprechergruppe Niederdeutsch in Deutschland, Dr. Robert Lorenz, die inhaltlichen Kernpunkte der Ausstellungsphilosophie darstellte, die vom Minderheitenrat begrüßt wurden. Die Ausstellung soll im Jahr 2020 umgesetzt werden.

Nach der Sitzung begab sich der Minderheitenrat auf eine Exkursion in Richtung Niederlausitz. Auf dem Programm standen der Besuch des Braunkohlentagebaus Nochten, die Teilnahme am Festivalabendprogramm in Hochoza/Drachhausen, wo das Festival nun schon zum 7. Mal Gastgeber für die Gruppen aus aller Welt gewesen ist. Am Samstag folgten ein Besuch des Heimatmuseums in Dešno/Dissen, der dortigen evangelischen Kirche sowie der Ausstellung "Stary lud", ein Abstecher in den Spreewald mit einer Kanufahrt und anschließender Weiterfahrt nach Chrósćicy/Crostwitz in der Oberlausitz, um dort am Festivalprogramm auf sechs Bauernhöfen und sieben Bühnen teilzunehmen.

Ein Hof stand dabei ganz im Zeichen des MDR. Dessen Intendantin Prof. Karola Wille und Direktor Sandro Viroli hatten eine Überraschung im Gepäck: Ab dem 01.01.2020 sendet die Sorbische Redaktion des MDR wochentags ihr Hörfunkprogramm in sorbischer Sprache eine Stunde länger als bisher (zur Presseinfo). Das hatten sich viele, auch die Domowina, schon lange gewünscht. Der Vorsitzende der Domowina Dawid Statnik dankte dafür herzlich den beiden Gästen sowie dem Abgeordneten des Sächsischen Landtags Aloysius Mikwauschk, der diese Idee ebenfalls unterstützt hatte.
Der Vorsitzende des Minderheitenrates Jon Hardon Hansen, Däne aus Südschleswig, war erstaunt: "Ich bin begeistert, wenn ich sehe und höre, was der MDR hier für die Sorben ermöglicht. Wenn man bedenkt, dass der NDR bei uns nur wenige Minuten in der Woche auf Friesisch sendet und keine Minute auf Dänisch, bin ich einfach ohne Worte! Hier zeigt sich: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!"

Im Gespräch mit der Intendantin des MDR Frau Wille sprach sich der Minderheitenratsvorsitzender für einen Austausch mit dem NDR aus. So sagte die Intendantin des MDR zu, gemeinsam mit der Studioleiterin des Sorbischen Rundfunks Bogna Koreng auf eine Minderheitenratssitzung nach Berlin zu kommen, um mit dem Intendanten des NDR die Möglichkeiten der Förderung der Minderheitensprachen in den Medien am Beispiel des Sorbischen zu erörtern.

"Wir hoffen, dass der neu gewählte Intendant des NDR, Joachim Knuth, der Einladung der Intendantin sowie des Minderheitenrates folgen wird und wir am konkreten Beispiel des Sorbischen Rundfunks einen Schritt weiterkommen, um auch dem Friesischen und Dänischen mehr Sendezeiten im NDR zu ermöglichen.", sagt die Leiterin des Minderheitensekretariats Judit Šołćina/Scholze, die sich nun um den gemeinsamen Termin kümmern wird.

Der Minderheitenrat bedankt sich für die Einladung der Domowina und den Besuch in der Lausitz im Rahmen des XIII. Internationalen Folklorefestivals "Łužica - Lausitz": Mange tak! But Parkerpen! Foole Tunk! Haatelk Toank!

Zum Folklorefestival
Das diesjährige Internationale Folklorefestival "Łužica/Lausitz" gestalteten unter anderem Ensembles aus Peru, Bolivien, Algerien, Polen, Georgien, Ungarn, Österreich, Russland, Nepal, der Slowakei, Tschechien, Nordmazedonien und natürlich viele Gruppen der Lausitzer Sorben. "Solch ein Festival bietet Möglichkeiten des gegenseitigen Kennenlernens und Austausches und ist natürlich stets ein schönes Erlebnis", so der Vorsitzende des Vorbereitungskomitees Marko Kowar. Diesem Anliegen dient beispielsweise das immer am Festivalsonnabend von der Domowina organisierte Kulturforum. In diesem Jahr haben daran sechs ausländische Gruppen teilgenommen und ihr Ensemble sowie ihre Geschichte, ihre Kultur und Situation vorgestellt.

"Das Festival ‚Lausitz‘ hat in der Szene der Folkloreensembles der Welt einen guten Ruf und sie kommen gern in die Lausitz", sagte Marko Kowar in Chrósćicy/Crostwitz. Er und der Vorsitzende der Domowina Dawid Statnik dankten allen sehr herzlich, die zum Gelingen des diesjährigen Festivals beigetragen haben: allen beteiligten großen und kleinen Künstlern aus dem In- und Ausland, ihren Begleitern, allen Helfern und Organisatoren, allen Gastgebern, allen Eigentümern der beteiligten Höfe in Drachhausen und Crostwitz, den Kommunalpolitikern, allen Sponsoren und Unterstützern und nicht zuletzt den beteiligten Angestellten der Stiftung für das sorbische Volk, des WITAJ-Sprachzentrums und der Geschäftsstelle der Domowina. Wutrobny dźak!

Weitere Informationen:
Pressemitteilung zum Folklorefestival der Domowina
Hintergründe zum Sorbischen Rundfunk und den Sendezeiten

Presseinfo des MDR: Ab 2020 mehr Sendezeit für MDR SAKSKA - SERBSKI ROZHŁÓS

Titelbielde: Jörg Stephan

Festivalfinale in Chrósćicy/Crostwitz (Foto: Domowina/Jörg Stephan)
Besuch des Braunkohlentagebaus Nochten (Foto: Minderheitensekretariat)
Besuch des Heimatmuseums in Dešno/Dissen sowie der Ausstellung "Stary lud" (Foto: Minderheitensekretariat)
Kanufahrt im Spreewald (Foto: Minderheitensekretariat)
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