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Ostbeauftragter zeigt Herz für sorbisches Alleinstellungsmerkmal der Lausitz – Domowina und Sorben-Stiftung im Gespräch mit Wanderwitz

11.05.2021

Am 11. Mai 2021 besuchte der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU), das Haus der Sorben in Budyšin/Bautzen. In einem anderthalbstündigen Gespräch mit dem Vorsitzenden der Domowina, Dawid Statnik, und dem Direktor der Stiftung für das sorbische Volk, Jan Budar, ging es um die Zweisprachigkeit der Lausitz als regionales Alleinstellungsmerkmal, den Strukturwandel als Herausforderung und Chance und die Bedeutung der sorbischen Sprache im Wirtschafts- und Arbeitsleben. 

An dem Gespräch nahmen auch Roland Ermer, Präsident „Sächsischer Handwerkstag“, Maria Michalk, Mitglied des Domowina-Bundesvorstandes und frühere Bundestagsabgeordnete, Marko Schiemann, CDU-Landtagsabgeordneter aus Bautzen/Budyšin, Udo Witschas, erster Beigeordneter im Landratsamt Bautzen, und von Seiten der Domowina-Geschäftsstelle die Referenten für Wirtschaft und Infrastruktur, Peter Bresan, sowie Öffentlichkeitsarbeit, Marcel Braumann, teil.

Domowina Vorsitzender Statnik gab dem Ostbeauftragten Wanderwitz einen kurzen Einblick in die Geschichte des sorbischen Volkes, Fluch und Segen von Industrialisierung und Braunkohleförderung sowie das Miteinander demokratisch legitimierter sorbischer Gremien bei der Interessensvertretung im Strukturwandel. So treffen sich am selben Tag Vertreter des Domowina-Bundesvorstandes, der Sorben-Räte von Brandenburg und Sachsen, des Stiftungsrates und des Parlamentarischen Beirates der Stiftung für das sorbische Volk zum digitalen Austausch. 

Statnik: „Ziel ist die Verständigung über die künftige öffentliche Diskussion über die Verwendung der zusätzlichen Fördermittel für die Stärkung sorbischer Sprache und Kultur in der ganzen Lausitz.” Statnik bekräftigte den Anspruch der Sorben, auch über sie betreffende wirtschaftliche Themen mitreden zu wollen: „Wir erwarten von der Koalition, die nach der Bundestagswahl regieren wird, eine Berücksichtigung sorbischer Belange im Koalitionsvertrag. Der Ostbeauftragte der amtierenden Bundesregierung hat sich heute klar zum Entwicklungsmotor des sorbischen Alleinstellungsmerkmals für die ganze Region im Strukturwandel bekannt und uns begleitende Unterstützung beim Antrag auf Förderung sorbischer/wendischer Projekten in der Lausitz im Rahmen des Strukturwandels angekündigt.”

Jan Budar, Direktor der Stiftung für das sorbische Volk, wünscht sich mehr politische Unterstützung bei der Integration der sorbischen Sprache in die teilweise den Markt dominierenden Digitalangebote globaler Konzerne. „Die erfreuliche Erwähnung des sorbischen Volkes im Paragraph 17 Punkt 31 des Strukturstärkungsgesetzes muss nun zur Durchführung praktischer Maßnahmen der Förderung der Fortentwicklung sorbischer Sprache und Kultur finanziell untersetzt werden. Die Stiftung mit ihren gewählten Vertreterinnen und Vertretern ist bereit, den Diskussions- und Meinungsbildungsprozess der kommenden Monate zu begleiten und unterstützen.“ Besonderer Anstrengungen bedürfe es, neue Arbeitsplätze im Dienste regionaler sorbischer Sprachräume tatsächlich mit Nachwuchskräften besetzen zu können.

Roland Ermer, Präsident des „Sächsischen Handwerkstages“, hob hervor, es gehe dem Handwerk wie den Sorben um praxisorientiertes Miteinander, um zusammen mit den Menschen vor Ort dauerhafte Perspektiven zu schaffen: „Die Vertreter von sorbischem Dachverband und Stiftung verstehen ihr Handwerk, sie haben Bodenhaftung und verhandeln mit gesundem Selbstbewusstsein, egal ob anderen das Gesagte immer gefällt. Bürokratieabbau ist ja ein Megathema, bei dem uns die sorbischen Interessenvertreter mit ihren kurzen Wegen von der Basis bis zum politischen Verhandlungstisch zeigen, wie man ohne Riesen-Verwaltungsapparat was für die Leute bewegen kann. Die sorbische Sprache gehört zum Handwerk in der Region, und wir werden uns mit dafür stark machen, dass sorbische Lehrlinge mehr Unterstützung bei der Ausbildung in ihrer Muttersprache bekommen.“ 

Udo Witschas verwies auf die Bemühungen des Landkreises um den Erhalt u.a. der Berufsausbildung für Bäcker in Bautzen: Das diene auch der Pflege der sorbischen Sprache gerade dort, wo „früh in der Backstube das erste sorbische Wort des Tages gesprochen” werde.

Ostbeauftragter Wanderwitz sagte, diese Bundesregierung habe schon viel für die Dezentralisierung von Bundesbehörden getan, das komme auch Regionen wie der Lausitz zugute. Der Ostbeauftragte setzt sich für zusätzliche öffentliche Unterstützung ein, damit eine Minderheitensprache wie Sorbisch den Sprung in die neue digitale Zeit schaffe. Zum heutigen Treffen sagt er: „Das bleibende Erlebnis heute ist für mich wichtig, weil damit in mir abgespeichert ist, dass ich Ihr Anliegen in meine Arbeit ständig mit einfließen lasse.“ Er werde seinem Arbeitsstab das sorbische Thema als Arbeitsauftrag übergeben. Denn „das sorbische Element ist wichtiger Teil der Zukunft im Strukturwandel. Deshalb werden wir den angekündigten Förderantrag gerne begleiten.“ 

Der Bautzener Landtagsabgeordnete Marko Schiemann betonte, der Nachholbedarf sei in solchen Regionen wie der Lausitz größer als woanders, das müsse zum Abschluss dieser Wahlperiode bekräftigt werden, auch als politischer Auftrag für die nächste Legislaturperiode. In dem Zusammenhang hob Schiemann hervor: „Sorbische Belange decken sich mit den Interessen der Region.“

Maria Michalk verwies darauf, dass zurzeit viele hochqualifizierte junge Leute wieder in die Lausitz zurückkehren. Sie wünscht sich eine Sensibilisierung auch auf Bundesebene, bei Ausschreibungen von Bundesbehörden stärker Sorbischkenntnisse als Qualifizierung zu berücksichtigen. Im neuen Finanzierungsabkommen für die Stiftung für das sorbische Volk werde der Digitalisierungsbedarf ein Stück weit berücksichtigt, darüber hinaus brauche es Unterstützung der Bundespolitik bei Verhandlungen der Sorben mit Weltkonzernen wie Microsoft, hier sprach sich aus eigenen Erfahrungen.

Bild: Ostbeauftragter Wanderwitz beim Eintragen ins Goldene Buch der Domowina, dessen Vorsitzender Dawid Statnik assistiert (v.l.), Foto: Marcel Braumann (Domowina)

(Quelle: Pressemitteilung der Domowina 11.05.2021) 

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