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Domowina-Bundesvorstand beruft 22-jährigen Wissenschaftler für Klimaschutz ins Präsidium des sorbischen Dachverbandes

25.06.2020

Freitagabend hat der Bundesvorstand des sorbischen Dachverbandes Domowina erstmals in der Zeit der Corona-Krise getagt. Das Sorbische Kulturzentrum in Schleife / Slepo, unter normalen Bedingungen sogar für eine Domowina-Hauptversammlung mit 200 Menschen geeignet, war nun mit gut 30 Gremiummitgliedern und Gästen unter Einhaltung der Abstandsregeln in Pandemie-Zeiten komplett genutzt.

Erstes Thema war die Umsiedlung von Mühlrose / Miłoraz nach Schleife bis zum Jahr 2024 – über den aktuellen Stand informierte der Schleifer Bürgermeister Reinhard Bork. Er sagte auf Nachfrage, es sei niemand gezwungen, gegen seinen Willen Mühlrose zu verlassen, denn es werde noch sehr lange dauern, bis die Kohle-Bagger das Dorf erreichen. Zudem könne es sein, dass sich die Konflikte auflösen, weil LEAG möglicherweise im Rahmen des Kohleausstiegs-Prozesses vom Staat eine Entschädung bekomme. Es müsse sich aber jeder bewusst sein, mit welchen Belastungen das Leben vor Ort verbunden sein werde – auch in punkto eingeschränkter Infrastruktur. Einige Diskussionsteilnehmer brachten ihre Ablehnung der geplanten Umsiedlung zum Ausdruck. Domowina-Vorsitzender Dawid Statnik verwies auf die basisdemokratische Struktur des Dachverbandes und die einstimmige Positionierung des betroffenen Regionalverbandes. Domowina-Regionalverbandsvorsitzender Manfred Hermasch sagte, man handele in solch grundsätzlichen Fragen im Einvernehmen mit der Mehrheit der Dorfbevölkerung. Denn die sorbische Sprache und Kultur lasse sich nur in sozialer Gemeinschaft bewahren und weiter entwickeln.

Im Rahmen des jährlichen Gedenkens an die abgebaggerten sorbischen Dörfer, zu dem diesmal auch Aspekte des Ausstiegs aus der Braunkohlenverstromung gehörten, äußerte Dawid Statnik die Hoffnung, „dass Mühlrose das letzte Dorf des sorbischen Siedlungsgebietes ist, das umgesiedelt wird. Die Domowina vertritt auch in diesem Fall weiter ihre Position, dass sie grundsätzlich gegen weitere Umsiedlungen ist. Aber im einzelnen Fall akzeptiert sie das Votum der Mehrheit der Einwohnerschaft. Zugleich bietet sie den Einwohnern Unterstützung bei Bewahrung der sorbischen Identität im Zusammenhang mit der Umsiedlung an. Die Domowina fordert einen geordneten Ausstieg aus dem Tagebau und der Braunkohleverstromung und ein langfristiges und angemessenes staatliches Förderprogramm für den Strukturwandel in der Lausitz.” Mit einer Schweigeminute gedachte der Bundesvorstand der Opfer der Abbaggerung sorbischer Dörfer.

Die Vorsitzende des Ausschusses für Öffentlichkeitsarbeit, Marka Ziesch, informierte, dass die Auswertung der Umfrage unter den Mitgliedern sorbischer Vereine und Verbände abgeschlossen ist. Die wichtigsten Schlussfolgerungen daraus sind die Einbeziehung der Öffentlichkeit der jeweiligen Region, wo die Sitzung des Bundesvorstandes stattfindet, und die Transparenz der alltäglichen Arbeit der Domowina. Der Ausschuss wünscht sich, dass die Verwaltung künftig ständig Simultan-Dolmetschen für Gäste, die nicht sorbisch verstehen, bereitstellt. In Schleife ist dies mit Hilfe der Chefin des Witaj-Sprachzentrums, Dr. Beate Bresan, geschehen. Die Domowina-Geschäftsstelle wird zugleich vom Ausschuss ermuntert, mit der Öffentlichkeitsarbeit über die Ergebnisse ihrer laufenden Arbeit fortzufahren, so wie sie mittlerweile praktiziert wird.

Kathrin Suchy-Zieschwauck, Mitglied des Bundesvorstandes und Vertreterin der sorbischen Elterninitiative Radibor / Radwor, berichtete über die Erwartungen der Eltern, dass in jedem Jahrgang der sorbischen Grundschule eine Klasse auf muttersprachlichem Niveau gebildet wird, die bis zum Ende der Grundschulzeit Bestand hat. Domowina-Vorsitzender Dawid Statnik bietet den Eltern in Radibor ebenso wie in Bautzen / Budyšin, wo ähnliche Probleme zutage getreten sind, gemeinsames Vorgehen an. Der Bundesvorstand, so Statnik, steht den sorbischen Eltern zur Seite und unterstützt ihren Standpunkt. Statnik freut sich, dass es durch Kooperation aller sorbischen Akteure und ihrer Partner neulich gelungen ist, dafür zu sorgen, dass die sorbische Oberschule Ralbitz / Ralbicy im neuen Schuljahr ebenso wie die sorbische Oberschule Räckelwitz / Worklecy zwei 5. Klassen haben wird.

Der Bundesvorstand berief auf Vorschlag des Vorsitzenden den 22-jährigen niedersorbischen Wissenschaftler Maximilan Hassatzky aus Dissen / Dešno ins fünfköpfige Präsidium des Dachverbandes. Hassatzky arbeitet als Referent beim Kompetenzzentrum Klimaschutz in energieintensiven Industrien des Bundesumweltministeriums in Cottbus. Neue Vorsitzende des Bildungsausschusses wird Marlies Müller, die im Sorbischen Schulverein arbeitet.

Die Abrechnung des Domowina-Haushaltsplanes 2019 und die aktualisierte Arbeitsordnung für die Domowina-Angestellten und das Witaj-Sprachzentrum in Trägerschaft des Dachverbandes nahm der Bundesvorstand zur Kenntnis. In der Arbeitsordnung wird auf Basis der Erfahrungen in Pandemiezeiten die Möglichkeit des Homeoffice klarer geregelt. Außerdem hat der Bundesvorstand den Beschluss über den Entwurf der Satzungsänderungen nachgeholt, der Grundlage der laufenden Diskussion im Dachverband ist – der Bundesvorstand war auf seiner letzten Sitzung vor Corona-Zeit im Februar wegen Erkrankung zahlreicher Mitglieder nicht beschlussfähig. Die nächste Haupt- und Wahlversammlung wurde vom Bundesvorstand für den 27.3.2021 einberufen und soll in der Schleifer Region stattfinden. Da erwartet wird, dass noch wegen Corona Abstandsregeln gelten könnten, erweist sich der vorgesehene Veranstaltungsort, das Sorbische Kulturzentrum Schleife, als zu klein. Bürgermeister Bork zeigte jedoch großes Interesse, dass die Domowina-Hauptversammlung in seiner Gemeinde stattfinden kann, und bot schon mal die Mensa des neuen deutsch-sorbischen Schulzentrums Schleife an.

Die Domowina-Geschäftsstelle informierte über die Vorbereitungen auf die Fußball-Europameisterschaften der autochthonen Minderheiten, die auf 2021 verschoben worden ist, und ein künftiges digitales Datenystem für die Gremien der Domowina, das transparentere und effektivere Zusammenarbeit ermöglichen soll.

(Quelle: Pressemitteilung der Domowina vom 22. Juni 2020)

Titelbielde: Logo der Domowina.

Maximilian Hassatzky, neues Mitglied des Präsidiums der Domowina; zu dem Namen: Hassatzky ist niedersorbisch Hasacky. Foto: Domowina.
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