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„Vielleicht sollte der Křižer mal die Zügel aus der Hand geben!“ Interview mit Kolektiw Klanki

12.01.2021

Am 21. November 2020 veröffentlichte Kolektiw Klanki ihre erste Single „Družki“ auf YouTube. Die Texte sind auf Obersorbisch und auch die Themen greifen Diskurse und Traditionen der sorbischen Lausitz auf. Das Minderheitensekretariat traf zwei der fünf rappenden Feministinnen zum Interview.

Dobry dźeń! Wie hat sich denn das Kolektiw Klanki zusammengefunden?

„Družki“ war unser erstes gemeinsames Projekt, es entstand eigentlich ganz spontan. Wir sind seit Jahren befreundet und wollten gemeinsam das Medium Rap ausprobieren, Spaß haben und uns ausdrücken. Es war Sommer und nicht viel los. Glücklicherweise haben wir Mitglieder, die bereits einen professionellen Background in der Elektronischen Musik haben. So hat sich alles ergeben. Innerhalb von einer Woche stand der Text und das Video wurde gedreht.

Es entsteht derzeit viel neue moderne sorbische Musik, die nach unserem Empfinden sehr männerdominiert ist. Auch das war ein Anreiz für uns, als Rap-Crew eine andere Perspektive zu geben.

Wie kam es dazu, dass der Text von „Družki“ auf Obersorbisch ist?

Es war eine natürliche Entscheidung das „Družki“ auf Sorbisch zu machen. Wir sind alle fünf sorbische Muttersprachlerinnen und auch die Themen des Liedes lassen sich im sorbischen Kontext verorten. Wir beschäftigen uns in dem Lied mit den sorbischen Geschlechterbildern, dem sorbischen Leben und der Sprache, da lag die Entscheidung auf Sorbisch zu rappen nahe. Wir hatten außerdem Lust auszuprobieren, wie Hip Hop auf Sorbisch funktioniert, wie es mit dem Rhythmus zusammenwirkt. Mit der Wahl der Themen von „Družki“ und der Sprache wollen wir natürlich auch Sorb:innen ansprechen.

In dem Lied erwähnt Ihr die „Družki“ und den „Křižer“, die Ihr einander entgegenstellt. Was steckt für Euch hinter diesem gegensätzlichen Paar?

Die Družka bezeichnet die Tracht der sorbisch-katholischen Brautjungfer und ist eine der sakrosanktesten Gewänder dieser Sorb:innen. Symbolisch steht sie für Jungfräulichkeit, Unschuld, prachtvolle Schönheit und das Unantastbare.

Der Křižer ist der Osterreiter, ein sorbisch-christlicher Mann, welcher als Teil einer Prozession auf einem Pferd reitend die frohe Botschaft der Auferstehung Jesu Christi verkündet. Symbolisch steht er für die Wichtigkeit der Religion in unserer Gesellschaft, Ansehen, Verehrung und Anbetung, wie auch Ehre und Pracht. Er nimmt eine viel aktivere Rolle ein als die Frau - Geschlechterrollen die sich leider nicht nur auf Ostern beschränken.

Wir finden es problematisch, wie stark Sorb:innen durch diese religiös-folkloristischen Stereotype von außen, aber auch von innen identifiziert werden. Die Frage, was der einzelnen Person vom Sorbischen bleibt, wenn man sich von der Kirche distanziert, zeigt das Dilemma. Nach unserem Empfinden bleibt einem nicht viel übrig, wenn man sich von Rollen wie der Družka lossagt. Als Individuum wird man auf diese Rollen festgelegt.

Was würdet Ihr Euch wünschen?

Es ist nicht unser Anliegen, mit allen Traditionen zu brechen. Wir wollen nicht die Trachten oder das Osterreiten abschaffen. Auch unsere Familien sind sehr stark mit diesen Traditionen verbunden und es soll niemand verletzt werden. Dennoch ist es wichtig ein offenes Gespräch zu führen, bei dem auch die ältere Generation das Unwohlsein der Jüngeren respektiert. Traditionen müssen sich mit den Menschen wandeln, um lebendig zu bleiben.

Schön wäre es aber, Möglichkeiten für ein Dazwischen zu geben, Spielräume zu erlauben. Menschen sollten auch unabhängig von der Binärität der Geschlechter oder ihrer religiösen Zugehörigkeit Teil eines sorbischen Lebens sein können. Als Kind war jede von uns einmal die Družka. Warum sollte diese Rolle nicht auch einmal von einem Mann übernommen werden? Vielleicht sollte der Křižer mal die Zügel aus der Hand geben!

Welche Reaktionen habt Ihr zu dem Lied bekommen?

Wir haben in den ersten Tagen sehr viel Resonanz bekommen, die uns bestätigt hat, dass es wirklich Zeit war diese Dinge zu thematisieren. Auch im Allgemeinen war die Rückmeldung von allen Seiten sehr positiv. Natürlich gab es auch Menschen, die mit Unverständnis reagierten.

Wir sind gespannt auf weitere Musik von Kolektiw Klanki und bedanken uns herzlich für das Interview!

Für sorbische, feministische Memes empfehlen wir die Instagramseite von Kolektiw Klanki: https://www.instagram.com/kolektiw.klanki

Lässig. Foto: Kolektiw Klanki.
Einfach cool. Foto: Kolektiw Klanki.
Woke women. Foto: Kolektiw Klanki.
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Titelbild

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