Berlin, den 15.9.2025
In den vergangenen Wochen ist eine Unterkunft in Berlin-Schöneberg verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Zahlreiche Medienberichte zeichneten dabei ein einseitiges und problematisches Bild: Die Unterkunft wurde mit Kriminalität, Lärm und Vermüllung in Verbindung gebracht, Adressen und Fotos wurden veröffentlicht und so die Privatsphäre der Bewohner:innen verletzt. Solche Darstellungen haben nicht nur zu einer Stigmatisierung der Betroffenen geführt, sondern auch bestehende Vorurteile und antiziganistische Narrative in Politik und Gesellschaft verstärkt. Statt einer sachlichen Debatte über Unterbringungsbedingungen und notwendige sozialpolitische Lösungen wurden rassistische Zuschreibungen reproduziert und damit reale Gefahren für die Bewohner:innen geschaffen.
Amaro Foro e.V. verurteilt die aktuelle Debatte um die Unterkunft in Berlin-Schöneberg als Beispiel für offenen Antiziganismus. Unter dem Vorwand von „öffentlichem Interesse“ und Meinungsfreiheit werden Bewohner:innen kriminalisiert, ihre Privatsphäre verletzt und rassistische Narrative von großen Medien unkritisch verstärkt. Fotos und Adressen wurden ohne Zustimmung veröffentlicht, wodurch Betroffene stigmatisiert und konkret gefährdet werden.
„Die aktuelle Situation zeigt die massiven Lücken in der Berliner Unterbringungsstrategie für Wohnungslose auf. Die strukturellen Probleme in diesem Bereich müssen effektiver angegangen werden“, so Georgi Ivanov, Leiter der Anlauf- und Sozialberatungsstelle bei Amaro Foro.
Amaro Foro e.V. fordert eine sachliche, stigmatisierungsfreie Berichterstattung, die Einhaltung journalistischer Standards sowie verbesserte Bedingungen in Unterkünften – insbesondere beim Kinderschutz, bei Infrastruktur und sozialer Betreuung. „Politische Instrumentalisierungen auf Kosten von Minderheiten verschärfen die Situation zusätzlich und verhindern Lösungen“, erklärt Ivanov weiter.
Die vollständige Stellungnahme mit Analysen und Forderungen ist hier zu lesen.
(Quelle: Amaro Foro e.V., 15.09.2025)