11/09/2023

67. FUEN-Kongress: Minderheitenschutz nur mit Demokratie und Rechtsstaatlichkeit möglich

Presseerklärung des Minderheitenrates zum diesjährigen FUEN Kongress. (Please find the English version below.)

Vom 07. bis zum 10. September 2023 fand in Pécs/Fünfkirchen/Pečuh der 67. FUEN-Kongress statt. Die deutsche Minderheit in Ungarn hatte eingeladen und rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 26 Ländern waren angereist.

„Wir sind zufrieden und auch etwas erleichtert, dass unsere Resolution zum FUEN-Kongress zur Bedeutung von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie als Grundvoraussetzung für funktionierenden Minderheitenschutz mit großer Mehrheit von der Delegiertenversammlung angenommen wurde“, so Gitte Hougaard-Werner, Vorsitzende des SSF von der dänischen Minderheit. Beim FUEN-Kongress des Vorjahres in Berlin fand der Minderheitenrat mit dem Wunsch eines kurzfristig eingereichten Antrages zur Demokratie und Rechtstaatlichkeit in Europa kein Gehör.

„Nur, wenn wir zweifelsfrei für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit eintreten, können wir auch als Minderheiten glaubwürdig Schutz und Förderung einfordern – das haben wir nun unmissverständlich als FUEN klargestellt“, so die Vorsitzende.

Die im Minderheitenrat zusammengeschlossenen Organisationen hatten sich gemeinsam mit der deutschen Minderheit aus Dänemark, den Kärntner Slowenen und den Slowenen aus Italien an die FUEN-Mitglieder gewandt.

Unterstützung für ihre Sichtweise erhielten sie von der diesjährigen Preisträgerin des FUEN-Preises, Renate Schnack. Die ehemalige Minderheitenbeauftragte aus Schleswig-Holstein redete in ihren viel beachteten Dankesworten auch den anwesenden Regierungsvertretern aus Ungarn ins Gewissen:

„Tatsache ist leider auch, dass es Staaten gibt, in denen kein minderheitenpolitischer Fortschritt erzielt werden konnte, ja, in denen das Erreichte sogar wieder rückgängig gemacht worden ist und wir einen schleichenden und sogar offen massiven Abbau von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit erleben. Wenn ein Land sich nicht mehr an die EU-Regeln hält und die EU-Bürger und EU-Bürgerinnen in diesem Land nicht mehr ihre Rechte genießen können, dann ist das nicht nur eine Frage, die dieses Land betrifft, sondern dann betrifft das uns alle in Europa, betrifft das unser aller Friedens- und Freiheitsordnung.

Insgesamt wurden 12 Resolutionen verabschiedet. Nach eingehender Diskussion wurde die vom FUEN Präsidium eingereichte Resolution zur Situation in der Ukraine unter maßgeblicher Beteiligung des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma sowie der Minderheitenvertreter aus der Ukraine überarbeitet und von der Versammlung schließlich angenommen.

„Es war uns wichtig, dass wir unmissverständlich den verbrecherischen russischen Angriffskrieg verurteilen und die daraus entstehende Tragödie für die Ukraine herausstreichen, eine Tragödie mit unvorstellbarem Leid für alle Ukrainerinnen und Ukrainer. Wir haben klar gemacht, dass Russland sofort und ohne Bedingungen die Ukraine zu verlassen und den Krieg zu beenden hat“, erklärte Judith Šołćina/Scholze, Geschäftsführerin der Domowina, dem Dachverband der Lausitzer Sorben. „Wir erfuhren unter anderem von den Krimtataren eindrücklich, was der Krieg und die Besatzung für die Menschen in der Ukraine bedeutet“, so Šołćina, die vor allem die Solidarität der Minderheiten aus der Ukraine unterstrich, die sich an der Diskussion über die FUEN-Resolution zur Ukraine intensiv beteiligten.

Die Domowina als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft slawischer Minderheiten zeigt sich darüber hinaus zufrieden, dass eine Arbeitsgruppe zur Änderung der Statuten der FUEN gegründet werden soll, die bis nächstes Jahr einen Vorschlag erarbeiten wird, wie die jeweiligen Sprachgruppen innerhalb der FUEN im Präsidium besser Gehör finden.

Im nächsten Jahr findet der FUEN-Kongress bei den Nordfriesen in Husum statt. „Wir freuen uns, die Minderheiten Europas bei uns an der Westküste begrüßen zu können. Es ist wichtig, dass die FUEN immer wieder den Fokus auch auf die bedrohten Sprachminderheiten ohne kin-state und ihre besonderen Herausforderungen wirft“, erklärt Ilse Johanna Christiansen, Vorsitzende vom Friesenrat.

Weitere Informationen zum Kongress, siehe auch:

(Pressemitteilung des Minderheitenrates vom 11.09.2023)

 

67th FUEN Congress: Protection of minorities only possible with democracy and the rule of law

From 07 to 10 September 2023, the 67th FUEN Congress took place in Pécs/Fünfkirchen/Pečuh. The German minority in Hungary had invited and about 200 participants from 26 countries had arrived.

„We are satisfied and also somewhat relieved that our resolution to the FUEN Congress on the importance of the rule of law and democracy as a basic prerequisite for functioning minority protection was adopted by the delegates‘ assembly with a large majority,“ said Gitte Hougaard-Werner, Chair of the SSF from the Danish minority. At last year’s FUEN Congress in Berlin, the Minority Council’s request for a motion on democracy and the rule of law in Europe, submitted at short notice, was not heard.

„Only if we undoubtedly stand up for democracy and the rule of law can we also credibly demand protection and promotion as minorities – we have now made this unmistakably clear as FUEN,“ said the chairwoman.

The organisations united in the Minorities Council had addressed the FUEN members together with the German minority from Denmark, the Carinthian Slovenes and the Slovenes from Italy.

They received support for their views from this year’s winner of the FUEN Prize, Renate Schnack. The former Commissioner for Minorities from Schleswig-Holstein also spoke into the conscience of the present government representatives from Hungary in her much-noticed words of thanks:

„Unfortunately, it is also a fact that there are states in which no progress in minority policy could be achieved, indeed, in which what has been achieved has even been reversed and we are experiencing a subtle and even openly massive dismantling of democracy and the rule of law. When a country no longer abides by EU rules and EU citizens in that country can no longer enjoy their rights, then this is not only an issue that affects that country, but then it affects all of us in Europe, it affects all of our peace and freedom.“

A total of 12 resolutions were passed. After in-depth discussion, the resolution on the situation in Ukraine submitted by the FUEN Presidium was revised with the significant participation of the Central Council of German Sinti and Roma as well as the minority representatives from Ukraine and finally adopted by the Assembly. 

„It was important for us to unmistakably condemn the criminal Russian war of aggression and to highlight the resulting tragedy for Ukraine, a tragedy with unimaginable suffering for all Ukrainians. We made it clear that Russia must leave Ukraine immediately and without conditions and end the war,“ explained Judith Šołćina/Scholze, executive director of Domowina, the umbrella organisation of the Lusatian Sorbs. „We learned impressively from the Crimean Tatars, among others, what the war and the occupation mean for the people in Ukraine,“ said Šołćina, who emphasised above all the solidarity of the minorities from Ukraine, who participated intensively in the discussion on the FUEN resolution on Ukraine.

Domowina, as a member of the Working Group of Slavic Minorities, is also satisfied that a working group is to be set up to amend the statutes of FUEN, which will draw up a proposal by next year on how the respective language groups within FUEN can be better heard in the Presidium.

Next year, the FUEN Congress will take place at the North Frisians in Husum. „We are pleased to be able to welcome the minorities of Europe to us on the West Coast. It is important that FUEN keeps focusing on the threatened language minorities without kin-state and their special challenges,“ explains Ilse Johanna Christiansen, Chairwoman of the Frisian Council.

For more information on the congress, see also:

www.fuen.org

(Press release of the minority counsel, 11.09.2023)