18/03/2026
Den runden Geburtstag des nordfriesischen „Grundgesetzes“ begeht das Nordfriisk Instituut mit einem bunten Programm: gesellige Abende, wissenschaftliche Vorträge und ein feierlicher Festakt.

Ehre, Erbe, Eigensinn: Das Nordfriisk Instituut feiert 600 Jahre nordfriesische Freiheit

Vor 600 Jahren legten die Friesen den Grundstein ihrer Eigenständigkeit: Mit der „Siebenhardenbeliebung“ und der Eiderstedter „Krone der rechten Wahrheit“ schrieben sie 1426 erstmals ihre angestammten Volksrechte nieder. Wirkt dieser Akt der Selbstbehauptung gegenüber Schleswiger Herzog und dänischem König noch bis heute nach?

Der 600. Jahrestag ist Anlass, dieser Frage nachzugehen. Den runden Geburtstag des nordfriesischen „Grundgesetzes“ begeht das Nordfriisk Instituut im Auftrag des Frasche Rädj mit einem bunten Programm: gesellige Abende, wissenschaftliche Vorträge und ein feierlicher Festakt. Gefördert wird das Jubiläumsjahr von der Friisk Stifting des Landes Schleswig-Holstein.

Den Auftakt macht die Reihe „Erben und andere Verbrechen„: In nordfriesischen Gaststätten beleuchtet das Team des Nordfriisk Instituut zwischen den Gängen eines regionalen Menüs mit Humor und Sachverstand die alten Rechtstexte. „Wir rücken den wahren Kern der friesischen Freiheit ins Licht: Gemeinschaft, das Recht der Sippe, die berühmte und oft missverstandene Blutrache„, erklärt Institutsdirektor Christoph G. Schmidt. „Die Landrechte von 1426 waren keine bloße Paragrafensammlung, sondern ein Überlebensgarant für die Gemeinschaft, mit Wertvorstellungen, die aus heutiger Sicht mitunter ziemlich eigenwillig wirken.“ Das Format ist dabei Programm: die Reihe setzt auf Dialog über zeitlose Fragen wie Gerechtigkeit, Familie und gesellschaftlichen Zusammenhalt. „Was sind unsere heutigen Werte? Was würden wir am liebsten lokal regeln? Diese Fragen sind hochaktuell„, so Schmidt.

Das Frühjahrsprogramm vertieft die wissenschaftliche Auseinandersetzung: Dr. Isabella Löw beleuchtet die juristische Tragweite der friesischen Freiheit für moderne Partizipationsfragen, Dr. Christoph G. Schmidt und Albert Panten nehmen die historische Entstehung dieser besonderen Volksrechte in den Blick. Im Juni weitet Dr. Han Nijdam von der Fryske Akademy aus Leeuwarden die Perspektive: Im Richard-Haizmann-Museum in Niebüll stellt er das verbindende Erbe der Friesen in einen internationalen Zusammenhang.

Über die Veranstaltungen hinaus bleibt das Jubiläum durch einen Podcast und den Instagram-Account @friesenundfreiheit lebendig. Projektreferentin Henriette Boysen bringt das Anliegen auf den Punkt: „Es geht darum, den Mut der Friesen von 1426 in die Gegenwart zu übersetzen. Dass sie ihr Recht so selbstbewusst und eigenständig festschrieben, macht sie zu Pionieren unserer Rechtskultur.

Den Abschluss bildet eine Feier am Ort des Geschehens: Am 17. Juni, dem Jahrestag der Verschriftlichung der Landrechte, kommen in der St.-Nicolai-Kirche in Boldixum auf Föhr Geschichte und Gegenwart der nordfriesischen Freiheit zusammen.

Alle Termine finden sich auf Instagram sowie auf der Website des Instituts.

(Quelle: Nordfriisk Instituut, 18.03.2026)