Das Minderheitensekretariat nahm vom 17.-20. September am diesjährigen Kongress der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) in Helsinki/Helsingfors teil.
Ein Schwerpunkt lag in diesem Jahr auf der Sprachplanung im minderheitenspezifischen Kontext. So wurde in den Podiumsdiskussionen deutlich, dass die Sprachplanung sowohl beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk als auch im Sozial- und Gesundheitswesen bisher in den Sprachregionen der Minderheiten nicht flächendeckend gegeben ist.
Zudem wurde über den europäischen Binnenmarkt und die Zukunft digitaler Angebote und KI gesprochen. Konsens bestand darüber, dass Minderheitensprachen besser geschützt und auch im digitalen Raum mit Sprachen der Mehrheitsgesellschaft gleichgestellt werden müssen.
Bei Studienbesuchen zur Rettungsschule Helsinki, dem finnischen Rundfunk YLE sowie der Gesamtschule Espoo konnten die Teilnehmenden mehr über die Sprachplanung für die schwedische Minderheit in Finnland an ganz konkreten Fällen erfahren.
Der Kongress beinhaltete auch die Delegiertenversammlung der FUEN, bei der Resolutionen verabschiedet und die Berichte der Gremien entgegengenommen wurden. Eine wichtige Resolution wurde von der Domowina – Bund Lausitzer Sorben e.V. unter dem Titel „Sicherung des Sorbischen als lebendige Schulsprache in Sachsen und Brandenburg“ eingebracht. Mit der einstimmig angenommenen Resolution fordert die Domowina, dass das Sorbische nicht nur im Unterricht, sondern auch im Schulalltag eine wichtigere Rolle spielen soll. Konkrete Maßnahmen hierzu sind die vermehrte und bessere Ausbildung sorbischsprachiger Lehrkräfte, die durchgängige Sprachkette von der Witaj-Kita bis zur weiterführenden Schule zu sichern und das sorbische Volk bei der Sprachplanung zu unterstützen. Grundsätzlich wird gefordert, dass die Bundesrepublik Deutschland, der Freistaat Sachsen und das Land Brandenburg ihre Verpflichtungen aus der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen umsetzen.
Neben den inhaltlichen Diskussionen bot der FUEN-Kongress 2026 ein Rahmenprogramm mit einer Bootstour durch das Archipel vor Helsinki/Helsingfors, der Vorstellung der Europeada 2028, sowie vielen Möglichkeiten zum Austausch.
Dawid Statnik, Vorsitzender des Minderheitenrates, erklärt: „Der FUEN-Kongress ist jedes Jahr eine gute Gelegenheit, um mit Minderheitenorganisationen aus ganz Europa in Kontakt zu kommen. Die internationale Zusammenarbeit zwischen den sprachlichen, ethnischen und nationalen Minderheiten ist ein hohes Gut, wenn wir auf europäischer Ebene Fortschritte im Minderheitenrecht erzielen wollen. Der Kongress in Helsinki hat auch deutlich gemacht, dass noch längst nicht alle Minderheiten Europas die gleichen Rechte besitzen. Wir sehen es als unsere Aufgabe, hier solidarisch zu sein und gegenseitig zu unterstützen.“
(Quelle: Minderheitensekretariat, 21.09.2026)
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