Bild: FUEN
09/07/2026
Das jährliche Treffen der Arbeitsgruppe für Sprachminderheiten ohne Mutterstaat der FUEN fand statt. Das Thema dieses Jahres war Jugendliche und Digitalisierung.

Kleine Sprachminderheiten tagen in Leeuwarden

Videos aus dem Alltag von Jugendlichen im westfriesischen Fernsehen, Online-Wörterbücher der Fryske Akademy und eine neue Sprachlern-App der Afûk: In Leeuwarden/Ljouwert wurden vom 2. bis 5. Juli viele neuen Projekte zur Förderung der friesischen Sprache der Provinz Fryslân vorgestellt. 

Nicht nur die Westfriesen stellten jedoch ihre Projekte vor. Viele Vertreter der Sprachminderheiten berichteten über aktuelle Erfolge und Herausforderungen. In der Schweiz wird zurzeit eine KI-basierte Sprach-App fürs Ladinische entwickelt. Die Aromunen in Rumänien verfügen kaum über eine eigene kulturelle Infrastruktur und werden nicht mal als Minderheit anerkannt und die Nordfriesen versuchen die Kräfte zu bündeln, damit nicht gleichzeitig mehrere KI-Projekte mit vergleichbaren Zielen gestartet werden.

Der Saterfriesischbeauftragte Henk Wolf verglich die Digitalisierung des West- und Saterfriesischen mit der Einordnung durch die UNESCO der Bedrohungslage dieser Sprachen. Er zeigte, dass das Westfriesische zwar schlechter abschneidet als das Niederländische, aber wenigstens in den meisten neuen Domänen verwendet wird und zudem über gute Online-Nachschlagewerke verfügt, was eine Verschlechterung vorbeugen kann. Die strukturelle Unterstützung der Provinz Fryslân sei dabei sehr bedeutsam. Wolf wies darauf hin, dass das Saterfriesische erst seit wenigen Jahren in neuen digitalen Domänen verwendet wird und dass die Digitalisierungsprojekte des Seeltersk-Kontoor möglicherweise auch zum heutigen Aufschwung junger Saterfriesen in den neuen Medien beigetragen haben. Immerhin sei die Verwendung des Saterfriesischen in den neuen Medien zu beschränkt, um diese zu verbessern, was mit einer fehlenden Koordination seitens der Verwaltung zusammenhänge.

Die etwa 25 Teilnehmer vertraten zehn kleine Sprachgemeinschaften aus ganz Europa, von den Bretonen im Westen Frankreichs bis hin zu den Vlachen in Rumänien. Da diese Minderheiten, anders als beispielsweise die deutschen Minderheiten in Osteuropa oder die Dänen in Deutschland, keine Unterstützung eines Mutterstaats erhalten, bilden sie eine eigenständige Arbeitsgruppe im Minderheitendachverband FUEN, die einmal jährlich ihre typischen Probleme diskutiert und Lösungsansätze teilt.

(Quelle: Seeltersk-Kontoor, 05.07.2026)