Der Internationale Romatag ist für Rom:nja weltweit ein Tag des Erinnerns, der Selbstbestimmung und des gemeinsamen Stolzes. Er geht zurück auf den ersten Weltromakongress 1971 in London, bei dem zentrale Grundlagen für die politische und kulturelle Selbstorganisation der Roma-Bewegung geschaffen wurden – darunter die Selbstbezeichnung „Roma“, die gemeinsame Flagge und die Hymne „Gelem Gelem“. Heute steht dieser Tag für Sichtbarkeit, Zusammenhalt und den fortwährenden Einsatz für Gleichberechtigung und gesellschaftliche Teilhabe.
Auch in Berlin ist diese Sichtbarkeit längst zu einer wichtigen Tradition geworden: Seit der Initiative von Amaro Foro im Jahr 2020 wird am 8. April vor den Bezirksrathäusern die Roma-Flagge gehisst. Viele Bezirke begleiten dies durch Aktionen und Begegnungen mit Redebeiträgen von Bezirksvertreter:innen und Zivilgesellschaft. Wir begrüßen ausdrücklich, dass sich diese Praxis etabliert hat und danken allen Beteiligten für ihr Engagement.
Gleichzeitig macht der Weltromatag deutlich, dass die Realität vieler Menschen weiterhin von Diskriminierung geprägt ist. „Zahlreiche neu erschienene Studien, Erfahrungen aus der Sozialberatungsarbeit und die Berichte aus den Communities zeigen eindeutig, dass rassistische Hetze und Ausgrenzung von Rom:nja und Sinti:zze weiterhin zunehmen. Die Dokumentationsstelle Antiziganismus DOSTA/MIA Berlin verzeichnete im vergangenen Jahr erneut eine Höchstzahl gemeldeter Vorfälle.“, sagt Violeta Balog, Leiterin der Dokumentationsstelle.
Auch die politischen und medialen Debatten werden immer rauer. So äußerte sich ein Berliner CDU-Abgeordneter im November vergangenen Jahres offen antiziganistisch in sozialen Netzwerken und auf seiner Homepage. Dabei verwendete er die rassistische Fremdbezeichnung für Rom:nja und Sinti:zze und verteidigte diese noch im Nachgang mit einer Selbstverständlichkeit, nachdem sich Selbstorganisationen kritisch geäußert haben. Eine Entschuldigung oder Löschung des Beitrages erfolgte bis heute nicht.
Trotz der Schwere des Vorfalls blieb auch eine klare und breite politische Reaktion weitgehend aus. Die betroffene Minderheit, der vor allem am 8. April durch die Flaggenhissung symbolisch Solidarität und Anerkennung ausgesprochen wird, erlebte erneut zu wenig Unterstützung. Vor diesem Hintergrund haben wir uns entschieden, in diesem Jahr nicht an den Aktionen rund um die Flaggenhissung teilzunehmen.
„Für uns steht fest: Der Weltromatag darf kein symbolischer Moment für einmalige Gesten bleiben. Haltung und Verantwortung müssen sich im politischen Alltag beweisen – konsequent, glaubwürdig und über den 8. April hinaus.“, betont Georgi Ivanov, Vorstandsmitglied bei Amaro Foro e. V.
Solange antiziganistische Vorfälle nicht klar benannt und sanktioniert werden, bleibt die Diskrepanz zwischen symbolischer Anerkennung und gelebter Realität bestehen. Es ist für uns nicht vereinbar, durch unsere Teilnahme politische Akteur:innen zu legitimieren, die sich nicht dauerhaft und eindeutig gegen Antiziganismus positionieren.
Der Weltromatag bleibt ein wichtiger Tag – als Zeichen der Sichtbarkeit, aber auch als Erinnerung daran, dass echte Gleichberechtigung nur durch konsequentes Handeln erreicht werden kann.
(Quelle: Amaro Foro e.V., 02.04.2026)